Einzigartig – eine Besinnung zu dem Song „Unique“

von und mit Gert Holle

Wenn ein Mensch stirbt, geraten Worte in Bewegung.
Sie steigen auf wie Rauch über Kerzenlicht, sie suchen Halt in Erinnerungen, sie versuchen, ein Leben in Sätze zu fassen. Wir erzählen Anekdoten, würdigen Verdienste, sprechen von Charakter, Glauben, Hoffnung.

Und doch bleibt da dieses stille Wissen: Kein Wort erreicht ganz den Kern.

Denn jeder Mensch ist einzigartig. Nicht nur im biologischen Sinn, nicht nur als unverwechselbare Kombination von Eigenschaften und Erfahrungen. Sondern als Geheimnis. Als ein Gedanke Gottes, der nur einmal gedacht wurde.

Der Psalmist staunt: „Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin.“ (Psalm 139). Dieses Staunen gilt jedem Menschen. Jede Biografie trägt Spuren von Licht und Schatten, von Aufbrüchen und Brüchen. Oft erfahren wir bei einem Abschied Dinge, die uns neu berühren. Und zugleich wissen wir: Es gab Kämpfe, von denen kaum jemand wusste. Tränen, die im Verborgenen flossen. Fragen, die nie laut gestellt wurden.

Manche Menschen sprechen nicht viel über ihre Lasten. Sie tragen sie wie ein verborgenes Gewicht – und sehen dennoch das Gute. Sie glauben nicht spektakulär, sondern still. Ihr Vertrauen ist kein Pathos, sondern eine leise Gewissheit, dass das Leben mehr ist als das Sichtbare.

Philosophisch gesprochen: Jeder Mensch ist ein einmaliges Ereignis im Strom der Zeit. Unwiederholbar. Nicht ersetzbar. Wenn er geht, entsteht eine Lücke, die nicht gefüllt werden kann – nur verwandelt. Martin Buber schrieb vom „Ich und Du“: Wirkliche Begegnung geschieht dort, wo wir einander nicht als Funktion, sondern als Gegenüber sehen. Wenn ein solches „Du“ stirbt, verliert die Welt eine ihrer unverwechselbaren Stimmen.

Und der Glaube?
Er wagt zu sagen: Diese Einzigartigkeit endet nicht im Nichts.

Jesus spricht im Johannesevangelium von den „vielen Wohnungen“ im Haus des Vaters (Johannes 14). Ein starkes Bild. Kein anonymer Raum, sondern ein Ort mit Weite. Mit Platz für jede Geschichte. Mit Raum für das, was unvollendet blieb. Vielleicht bedeutet Auferstehung auch, dass Gott unsere Einzigartigkeit nicht preisgibt.

Doch selbst wenn wir die großen Fragen nicht endgültig beantworten können – eines bleibt: Dankbarkeit. Für gemeinsame Jahre. Für geteilte Wege. Für Lachen, für Streit, für Versöhnung. Für alles, was war.

Abschiednehmen heißt nicht nur loslassen.
Es heißt auch bewahren.

Die Einzigartigkeit eines Menschen lebt weiter – in den Spuren, die er hinterlassen hat. In Gesten, die wir übernommen haben. In Sätzen, die wir plötzlich selbst sagen. In einem Vertrauen, das uns trägt, wenn wir es am wenigsten erwarten.

Vielleicht ist das der leise Trost:
Was von Gott her einzigartig gedacht wurde, bleibt in Gott aufgehoben.


Gebet

Gott,
du Ursprung allen Lebens,
du kennst die Tiefen unserer Geschichten.

Wir danken dir für die Menschen,
die unser Leben geprägt haben –
für ihre Einzigartigkeit,
für ihre Stärke und ihre Verletzlichkeit,
für ihren Glauben, der uns berührt hat.

Wo Abschied schmerzt, sei du Nähe.
Wo Fragen offen bleiben, sei du Hoffnung.
Wo Leere spürbar wird, fülle du sie mit deiner stillen Gegenwart.

Bewahre in uns die Dankbarkeit.
Und lehre uns, das Leben zu achten –
in seiner Zerbrechlichkeit
und in seinem Wunder.

Amen.


Segensspruch

Der Gott, der dich einzigartig geschaffen hat,
segne deine Erinnerung und deinen Weg.

Er bewahre, was kostbar war.
Er heile, was schmerzt.
Er schenke dir Vertrauen für das,
was jenseits unseres Sehens liegt.

Und so begleite dich sein Friede –
heute und alle Tage.

 

 

Songtext

UNIQUE

 

(Verse 1)

They’re saying pretty things tonight,

Soft words drifting through the light.

Candles trembling, voices low —

But they don’t know you like I know.

They paint your life in gentle gold,

In polished lines so neatly told.

But I have seen the quiet scars

You never showed the crowd at all.

 

(Pre-Chorus)

You never talked about the rain,

Just let it fall and smiled again.

And somehow through your darkest days

You let a little sunshine in.

 

(Chorus)

Unique — that’s what you were to me.

Not loud, not flawless — just so real.

Unique — in every way,

With simple faith to light the way.

And all the words they speak tonight

Still don’t say it right.

To everyone you were someone new —

But to me you were unique.

________________________________________

(Verse 2)

In life’s long game of hidden cards

The jokers stayed behind the dark.

But when you needed one somehow

It always found its way to you.

You saw the good in broken things,

Found hope in what tomorrow brings.

You understood this fragile world

In your own quiet point of view.

 

(Pre-Chorus)

Your faith was never shouted loud,

It had no need to draw a crowd.

It gave you wings when doubt was near

And lifted you above your fear.

 

(Chorus)

Unique — that’s how I’ll let you go,

With grateful tears I cannot hide.

Unique — year after year,

Through every loss we walked beside.

And every song they sing tonight

Still falls a little short.

This world has lost an original —

To me you’re still unique.

________________________________________

(Bridge)

You’ve taken roads we cannot see,

No map, no certainty.

Maybe there’s no coming back —

Or maybe just another track.

And if we meet somewhere, someday

On some far distant shore —

Does it even matter now?

We had so many years before.

________________________________________

(Final Chorus)

Unique — I whisper as you leave,

My friend, my steady light.

Unique — beyond goodbye,

Beyond the reach of night.

The word “farewell” feels small somehow

For all you came to be.

Good-bye… the world may let you go —

But you stay unique with me.

 

(Outro)

Unique…

Always unique…

(Lyrics & Musik by Gert Holle – 27.02.2026)

 

EINZIGARTIG

 

(Verse 1)

Sie sprechen schöne Worte über dich,

Kerzen flackern still im Licht.

Lieder steigen auf wie Rauch –

doch keiner kennt dich so wie ich.

Sie malen dich in Gold und Glanz,

in Bildern glatt und ohne Riss.

Doch ich sah deine leisen Kämpfe,

von denen hier kein Reden ist.

 

(Pre-Chorus)

Du hast nie erzählt von dunklen Tagen,

hast sie getragen, ganz allein.

Und selbst im Sturm hast du gelächelt,

ließest noch die Sonne rein.

(Chorus)

Einzigartig – warst du für mich.

Nicht laut, nicht perfekt – nur wirklich.

Einzigartig – Schritt für Schritt,

mit deinem Glauben im Gepäck.

Und was sie heute auch hier sagen –

kein Wort beschreibt dich richtig.

Für jeden warst du anders nah,

doch für mich bleibst du einzigartig.

______________________________________

(Verse 2)

Im Kartenspiel von all den Jahren

lagen Joker tief versteckt.

Doch wenn du sie am meisten brauchtest,

hast du sie im Licht entdeckt.

Du sahst das Gute selbst im Schatten,

gabst Hoffnung einen neuen Namen.

Du hast die Welt auf deine Weise

verstanden – ohne großen Rahmen.

 

(Pre-Chorus)

Dein Glaube war kein lautes Wort,

mehr Flügelpaar als fromme Pflicht.

Er trug dich leise durch die Zweifel

und ins offene Licht.

 

(Chorus)

Einzigartig – warst du für mich.

Mit deiner stillen Zuversicht.

Einzigartig – Jahr um Jahr,

selbst wenn der Weg zerbrechlich war.

Und was sie heute auch hier singen –

es reicht einfach noch nicht.

Die Welt verliert ein Original,

du bleibst für mich einzigartig.

______________________________________

(Bridge – sehr reduziert, fast gesprochen)

Du gehst nun eine Strecke weiter,

von der keiner Karten hat.

Vielleicht gibt’s keine Wiederkehr –

vielleicht nur eine andere Stadt.

Und sehen wir uns irgendwann

an einer fernen Station –

doch sag, ist das entscheidend?

Wir hatten uns… so lange schon.

______________________________________

(Letzter Chorus – leiser Beginn, dann weit öffnen)

Einzigartig – lass ich dich gehn,

auch wenn die Hände zittern.

Einzigartig – sag ich leise,

mit Dank in allen Schritten.

Mach’s gut, mein Freund, die Welt wird still,

doch meine Erinnerung nicht.

Good-bye klingt klein für das, was war –

du warst… du bist… einzigartig.

(Outro – nur ein geflüstertes Motiv)

Einzigartig.

 

Einzigartig.


Autor: Gert Holle - 1.03.2026