WortWeise – eine Besinnung zum Muttertag

inspiriert von „Words We Never Will Forget“ - von und mit Gert Holle

7.05.2026

  

Es sind oft die einfachen Sätze, die bleiben.
Nicht die großen Reden. Nicht die perfekten Worte.
Sondern das, was sich wiederholt hat – Tag für Tag, Jahr für Jahr.

„Pass auf dich auf.“
„Hast du deine Zähne geputzt?“
„Ist alles an seinem Platz?“

Sätze wie diese wirken klein.
Und doch tragen sie ein ganzes Leben in sich.

Sie erzählen von Fürsorge.
Von Verantwortung.
Von Liebe – in ihrer vielleicht unspektakulärsten, aber verlässlichsten Form.

Wer so angesprochen wurde, der weiß:
Diese Worte können wärmen –
und sie können auch einengen.

Denn Liebe ist nicht nur leicht.
Sie will schützen – und gerät dabei manchmal in die Nähe von Kontrolle.
Sie will bewahren – und kann doch das Loslassen erschweren.

So erleben wir es in den engsten Beziehungen unseres Lebens:
Dass Nähe nicht immer einfach ist.
Dass gerade die, die uns am meisten lieben, uns auch herausfordern.

Und vielleicht ist das kein Widerspruch, sondern eine Wahrheit über den Menschen:
Dass wir in der Liebe wachsen –
aber selten ohne Reibung.

Die Bibel kennt diese Spannung.
Im ersten Korintherbrief heißt es:
„Die Liebe ist langmütig und freundlich; sie sucht nicht das Ihre, sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles.“ (vgl. 1 Kor 13)

Das ist ein hoher Anspruch.
Und kein Mensch erfüllt ihn vollkommen.

Und doch:
In jeder echten Fürsorge, in jeder durchwachten Nacht, in jedem sorgenden Wort
leuchtet etwas von dieser Liebe auf.

Vielleicht erkennen wir das oft erst im Rückblick.
Wenn wir Abstand gewinnen.
Wenn wir selbst Verantwortung tragen.
Wenn wir beginnen zu verstehen.

Dann verändert sich der Blick:
Aus den mahnenden Worten werden Erinnerungen.
Aus der Strenge wird Fürsorge.
Aus dem, was uns begrenzt hat, wird etwas, das uns getragen hat.

Und wir ahnen:
Liebe war immer da.
Auch dort, wo sie unvollkommen war.

Denn vollkommene Liebe ist nicht unser Werk.
Sie hat ihren Ursprung in Gott.

„Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“ (1 Joh 4,16)

Das ist eine Verheißung.
Und eine Einladung.

Dass wir lernen, einander mit anderen Augen zu sehen.
Dass wir das Unfertige nicht übersehen –
aber das Wesentliche nicht vergessen.

Dass wir dankbar werden für das, was war.
Und barmherzig mit dem, was nicht gelungen ist.


Gebet

Gott, Quelle aller Liebe,

wir danken dir für die Menschen,
die uns geprägt haben –
für ihre Nähe, für ihre Fürsorge, für ihre Geduld.

Du kennst auch die Spannungen,
die Missverständnisse, die unausgesprochenen Worte.

Lehre uns, mit versöhnten Augen zu sehen.
Schenke uns die Fähigkeit zu vergeben,
und den Mut, dankbar zu sein.

Wo Beziehungen zerbrochen sind,
bitten wir dich um Heilung.
Wo Worte fehlen, schenke neue Wege der Begegnung.

Und lass uns selbst zu Menschen werden,
die deine Liebe weitertragen –
achtsam, geduldig und wahrhaftig.

Amen.


Segen

Der Gott der Liebe segne dich und behüte dich.
Er öffne dein Herz für das, was bleibt.

Er schenke dir Frieden mit deiner Geschichte
und Hoffnung für das, was kommt.

Und er lasse dich wachsen in einer Liebe,
die trägt, die heilt und die frei macht.

 

Amen.

 

Words We Never Will Forget


Autor: Gert Holle - 7.05.2026