2.04.2026
(Nidda/Wetteraukreis/red) Mit ihrem Jahresbericht 2025 schlagen die Diakonie Dienstleistungen Wetterau gGmbH (DDLW) Alarm: Der gemeinnützige Träger steht vor der Insolvenz. Eine Entscheidung wird nach Angaben der Geschäftsführung bis Mitte April erwartet. Betroffen wären aktuell 209 pflegebedürftige Menschen, die zuhause betreut werden – darunter 99 in Nidda.
Der Bericht zeigt zugleich eine gegenläufige Entwicklung: Die Nachfrage nach Unterstützung steigt deutlich. Innerhalb eines Jahres ist die Zahl der betreuten Menschen um rund 50 Prozent gewachsen, zusätzlich warten derzeit 48 Personen auf Hilfe.
„Die Zahlen machen deutlich, wie groß der Bedarf ist“, sagt Geschäftsführer Gerhard Wolf. Viele der Betroffenen seien hochbetagt, lebten allein oder zu zweit und seien auf Unterstützung im Alltag angewiesen, um weiterhin zuhause leben zu können.
Ein zentrales Element der Arbeit ist das ehrenamtliche Engagement: Insgesamt 56 Mitarbeitende sind für die DDLW tätig, überwiegend Frauen, viele davon ehrenamtlich oder im Rahmen einer Aufwandsentschädigung. Sie begleiten Pflegebedürftige im Alltag, entlasten Angehörige und ermöglichen soziale Teilhabe.
„Ohne dieses Engagement wäre unsere Arbeit nicht denkbar“, betont Wolf. „Die Mitarbeitenden leisten seit Jahren verlässlich und mit großem persönlichen Einsatz einen wichtigen Beitrag für die Menschen vor Ort.“ Viele seien über lange Zeit feste Bezugspersonen für die Betreuten geworden.
Die drohende Insolvenz hätte daher nicht nur Folgen für die Pflegebedürftigen, sondern auch für die Beschäftigten. Für zahlreiche Mitarbeitende stünden ortsnahe Arbeitsmöglichkeiten auf dem Spiel, die vielfach eng mit persönlichen Lebenssituationen verbunden seien.
Die DDLW wurde Anfang der 2000er Jahre aus bürgerschaftlichem Engagement heraus gegründet, um eine Lücke in der ambulanten Versorgung zu schließen. Seit 2009 ist der Dienst offiziell anerkannt. Nach eigenen Angaben wurden seitdem mehr als 600 Menschen in Nidda betreut.
Als Hauptursache für die wirtschaftliche Schieflage nennt der Träger strukturelle Rahmenbedingungen: Seit 2021 seien die Vergütungssätze gedeckelt, während Kosten – etwa für Personal, Energie und Organisation – deutlich gestiegen seien.
Während der Wetteraukreis und die Pflegekassen ihre Unterstützung ausgeweitet hätten, sieht die DDLW auf kommunaler Ebene weiterhin Klärungsbedarf. Ein beid er Stadt Nidda beantragter Zuschuss für das Jahr 2026 sei bislang nicht bewilligt worden.
„Es geht hier nicht um abstrakte Zahlen, sondern um konkrete Lebenssituationen“, so Wolf. Der benötigte Betrag von 30.000 Euro hätte nach Darstellung des Trägers entscheidend zur Stabilisierung beigetragen.
Sollte es zur Insolvenz kommen, stellt sich die Frage, wie die Betreuung kurzfristig sichergestellt werden kann. Der Aufbau neuer Strukturen benötige Zeit und Personal, das vielerorts bereits knapp sei.
Der Jahresbericht macht damit auf ein grundlegendes Problem aufmerksam: Der Bedarf an ambulanter Unterstützung wächst – gleichzeitig geraten gemeinnützige Angebote zunehmend unter Druck.
„Unser besonderer Dank gilt unseren Mitarbeitenden, die diese Arbeit über viele Jahre getragen haben“, sagt Wolf. „Jetzt geht es darum, gemeinsam Lösungen zu finden, damit die Versorgung der Menschen gesichert bleibt.“
