Schmerzhafter Abschied von St. Hildegard

Profanierung der Kirche in Sulzbach-Neuweiler

Zahlreiche Gläubige kamen zur Profanierung der Kirche St. Hildegard in Sulzbach-Neuweiler. © Oliver Morguet/BIP Saar
Zahlreiche Gläubige kamen zur Profanierung der Kirche St. Hildegard in Sulzbach-Neuweiler. © Oliver Morguet/BIP Saar

2.06.2026

 

Nach 69 Jahren endete die Geschichte der St.Hildegard-Kirche in Neuweiler als Gotteshaus. Der Messe zur Profanierung stand Weihbischof Jörg Peters vor.

 

Von Oliver Morguet/BIP Saar

 

(Sulzbach-Neuweiler/om) – „Die Profanierung der Kirche St. Hildegard bedeutet nicht den Auszug Gottes aus Neuweiler“, tröstete Weihbischof Jörg Michael Peters die zahlreichen Gläubigen, die sich am Sonntag, 31. Mai, zum letzten Mal zu einem Gottesdienst in dem mittlerweile unter Denkmalschutz stehenden Gotteshaus versammelt hatten. Peters war für den früheren Trierer Generalvikar Ulrich von Plettenberg eingesprungen, der den Gottesdienst eigentlich hätte halten sollen.

 

„Die Entweihung der Kirche St. Hildegard ist ein Grund zur Trauer“, fühlte Peters mit den zahlreichen Gemeindemitgliedern, appellierte aber an diese, vernünftig und optimistisch in die Zukunft zu schauen. Er zitierte aus einem Artikel, den die Benediktinerin Schwester Dr. Carmen Tatschmurat in der Wochenzeitschrift „Christ in der Gegenwart“ veröffentlicht hatte. Darin ging es unter dem Titel „Wenn Kirchenräume auf die Spur der Dreifaltigkeit führen“ darum, wie die bewusste Wahrnehmung heiliger Räume den Blick für das göttliche Geheimnis weiten kann. Sie regt dazu an, Architektur als „betendes Bauprogramm“ zu lesen, das uns aus dem Alltag herausführt und auf neue Fährten setzt. Peters hatte auch beeindruckende Zahlen parat. Seit der Eröffnung im Jahr 1957 hatten in der Kirche St. Hildegard rund 2400 Sterbeämter, gut 1400 Taufen, Kommunionsfeiern für etwa 2140 Kinder, 1522 Firmungen und 625 Trauungen stattgefunden.

 

Peters erzählte auch von dem Brief, den eine Kunsthistorikerin ihm geschrieben habe. Darin habe sie nochmals die Bedeutung der Kirche St. Hildegard als Kulturdenkmal gewürdigt. Das Gotteshaus war Ende der 1950er-Jahre nach den Plänen von Gottfried Leo Böhm errichtet worden. Der 2011 im Alter von 101 Jahren verstorbene Hochschullehrer, Architekt und Bildhauer habe viel Schönes und Außergewöhnliches geschaffen. Im Saarland hatte er seine Spuren unter anderem bei der Sanierung des Saarbrücker Schlosses in den 1980er-Jahren, dem Neubau des Kirchenschiffs von St. Ludwig in Saarlouis Mitte der 1960er-Jahre und der Kirche St. Hildegard in Neuweiler hinterlassen. In Neuweiler hatte er nicht nur den Neubau in den 1950er-Jahren geplant und begleitet, sondern auch den Neubau des Turms, der wegen Baufälligkeit 2005 abgerissen und 2009 neu erbaut wurde.

 

Auf die Geschichte der Kirche ging Manfred Arand ein. Er gehörte dem Pfarrgemeinderat Sulzbach seit 1989 an und war von 1991 bis 2015 dessen Vorsitzender. Die Kirche St. Hildegard wurde zwischen August 1954 und Mai 1957 errichtet. Am 26. Mai 1957 erfolgte der Umzug aus der Notkirche in den Neubau. In einem ersten Umbau rückte der Hochaltar näher an die Gemeinde. Danach wurde die Kirche durch Bischof Bernhard Stein liturgisch geweiht. Die vier Glocken erklangen zum ersten Mal am 17. Mai 1959 und am 23. Juli zum vorläufig letzten Mal. Ein weiterer Umbau des Altarraums folgte im Jahr 1970. Arand ließ auch die Vikare und Weihbischöfe Revue passieren, die er selbst in St. Hildegard erlebt hat, ebenso eigene Ereignisse wie seine Firmung und seine Silberne Hochzeit sowie das 50-jährige Bestehen der Pfarrei im Jahr 2003.

 

"Verlust der geistlichen Heimat"

„Die geistliche Heimat zu verlieren, macht aus diesem Sonntag einen wahrlich schweren Tag“, meinte auch Gemeindereferent Patrik Theis. Die Kirche sei nicht nur für Gottesdienste und besondere Anlässe wie Taufen, Kommunionen, Firmungen, Trauungen und Sterbefälle genutzt worden, viele Menschen hätten das Gotteshaus auch einfach mal zwischendurch für ein paar stille Momente besucht. Es seien eben die Menschen, die ein solches Gebäude ausmachten. Die Profanierung sei hoffentlich nicht das Ende. „Das religiöse Leben muss weitergehen“, forderte er. Er appellierte an die Gläubigen in Neuweiler, mitzudenken und mitzumachen, damit Kirche hier eine Zukunft hat. Als Dankgeschenk und Erinnerung hatte er Lesezeichen vorbereitet, die die Kirche zeigen, ihre wichtigsten Daten enthalten und im Anschluss an den Gottesdienst an die Besucher verteilt wurden.

 

„Das ist heute eine schmerzliche Angelegenheit und ein trauriger Gottesdient, ich bin froh, dass ich die Messe nicht halten muss“, gestand Pastor Peter Sens in seiner Begrüßung. „Heute wird eine Kirche geschlossen, die in den vergangenen Jahrzehnten immer eine wichtige Rolle in der Stadtgeschichte gespielt hat“, betonte Sulzbachs Bürgermeister Michael Adam, der selbst in Neuweiler aufwuchs. Sens habe die Schließung transparent begleitet und er (Adam) sei sicher, dass die Gemeinde in Neuweiler eine lebendige Gemeinschaft bleiben werde. Armin Kopper, evangelischer Pfarrer, ging auf die Geschichte von Tempeln und Kirchen ein und erinnerte an die vielen Rückschläge, die Christen und andere Gläubige im Laufe der Jahrtausende erleiden mussten. Diese Rückschläge hätte aber nie das Ende des Glaubens bedeutet.

 

Vor den Redebeiträgen Adams und Koppers hatte Peters das Dekret von Bischof Stephan Ackermann verlesen, in dem St. Hildegard für profan erklärt wird. Er dankte allen, die zur Gestaltung des letzten Gottesdienstes beigetragen hatten. Die musikalische Umrahmung hatten die Kirchenchorgemeinschaft Heilige Familie Rentrisch und St. Ursula Scheidt unter der Leitung von Stephan Ley (auch Organist) und Solistin Sylvia Wilhelm (Flöte) übernommen. Für die erkrankte Küsterin Doris Ulrich waren Sabine Kehl (Küsterin in Hühnerfeld) und Martina Rosar eingesprungen. Als letzter Akt wurden die Kerzen in der Kirche gelöscht, das Altartuch zusammengefaltet und schließlich das Allerheiligste von Sens aus der Kirche gebracht.