
13.01.2026
Manche Sätze verändern alles.
„Ich glaube, wir sollten uns trennen.“
Diese Worte begegnen uns nicht nur in Beziehungen, sondern auch im Beruf, im Ehrenamt, im Leben
selbst.
Was machen sie mit uns? Und gibt es einen Weg, ihnen mit Hoffnung zu begegnen?
Zu meinem Song „Maybe We Should Let It Fall“ ( youtu.be/R_9hGrZUSkk?si=hzv6Q4bJbDCrI1Em ) ist eine Besinnung entstanden – ruhig, ehrlich und suchend.
Ein kurzer Film, erstellt mit Canva, voller Stille, Tränen und vorsichtiger Hoffnung, lädt zum Innehalten ein.
👉 Nimm dir einen Moment.
👉 Schau hin.
👉 Vielleicht findest du dich darin wieder.
„Ich glaube, wir sollten uns trennen.“
Ein Satz, der leise daherkommt – und doch wie ein Donnerschlag wirkt.
Er fällt nicht nur in Beziehungen. Er begegnet uns im Berufsleben, wenn Verträge enden. In Vereinen, wenn Engagement versiegt. In Lebensphasen, die sich erschöpft haben. Manchmal sogar im
Glauben, wenn vertraute Bilder nicht mehr tragen.
Trennung ist eines der großen, ungeliebten Themen unseres Lebens. Kaum jemand sucht sie bewusst. Und doch gehört sie unweigerlich zu unserer menschlichen Erfahrung.
Der Song „Maybe We Should Let It Fall“ ist aus einem solchen Moment heraus entstanden: aus dem Schweigen nach diesen Worten, aus dem Gefühl des Fallens, aus der Frage: Was tue ich, wenn mir der Boden unter den Füßen weggezogen wird?
Trennung als Unterbrechung – nicht als Ende
Der Philosoph Martin Heidegger sprach davon, dass der Mensch oft erst im Bruch begreift, wie sehr er gebunden war. Solange alles funktioniert, leben wir „nebenbei“. Erst wenn etwas auseinandergeht, werden wir wach.
Auch Søren Kierkegaard sah im Abschied keinen bloßen Verlust, sondern eine Zuspitzung der Wahrheit: Trennung zwingt uns, ehrlich zu werden – mit uns selbst, mit dem anderen, mit Gott.
Vielleicht ist das der erste hoffnungsvolle Gedanke:
Nicht jede angekündigte Trennung ist ein Urteil. Manche sind eine Unterbrechung, ein Innehalten, ein Ruf nach Veränderung.
Nicht sofort handeln – sondern hören
Unsere Kultur drängt zur schnellen Entscheidung:
Bleiben oder gehen. Kämpfen oder loslassen. Funktionieren oder abbrechen.
Doch der Song erzählt bewusst etwas anderes: Ich tue erst einmal
nichts.
Nicht aus Flucht – sondern aus Respekt vor der Tiefe des Moments.
Auch die Bibel kennt dieses Innehalten. Der Prediger schreibt:
„Alles hat seine Zeit. Geborenwerden und Sterben, Weinen und Lachen, Behalten und Wegwerfen.“ (Kohelet 3)
Trennung hat ihre Zeit. Aber auch das Nicht-Handeln hat seine
Würde.
Manchmal ist es der erste Akt der Heilung, sich selbst nicht zu überfordern.
Trennung kann auch ein Hilferuf sein
„Vielleicht sollten wir uns trennen“ – das kann heißen:
Ich halte es so nicht mehr aus.
Ich sehne mich nach Veränderung.
Ich brauche dich anders, oder ich verliere mich.
In Beziehungen wie im Beruf oder im Ehrenamt lohnt es sich, diese Frage
zu stellen:
👉 Was will hier wirklich getrennt werden – der Mensch oder eine
Rolle?
👉 Geht es um Abschied – oder um einen neuen Anfang in anderer Form?
Der jüdische Philosoph Martin Buber unterschied zwischen Ich-Es- und Ich-Du-Beziehungen. Wo Menschen einander nur noch als Funktion erleben, wird Trennung fast zwangsläufig. Hoffnung beginnt dort, wo wir einander wieder als Du sehen – selbst im Abschied.
Hoffnung heißt nicht: Es bleibt alles
Hoffnung ist kein Versprechen, dass alles so weitergeht wie zuvor.
Hoffnung ist die leise Zuversicht, dass Gott auch im Loslassen gegenwärtig ist.
Christlicher Glaube kennt den Karfreitag – aber er bleibt nicht dort
stehen.
Auferstehung geschieht nicht durch Festhalten, sondern durch Hingabe.
Vielleicht ist das die tiefste Hoffnung dieser Besinnung:
👉 Auch das, was zerbricht, kann getragen sein.
👉 Auch das, was endet, kann gesegnet werden.
Gebet
Gott,
du kennst die Sätze, die uns den Atem nehmen.
Du hörst die Worte, die wir nicht aussprechen können.
Wenn etwas auseinandergeht,
wenn Sicherheiten bröckeln
und wir nicht wissen, wie es weitergehen soll,
dann bleib du bei uns.
Schenke uns den Mut, nicht vorschnell zu handeln.
Die Weisheit, zu unterscheiden, was gehen darf
und was noch wachsen will.
Und die Hoffnung, dass du uns auch im Abschied hältst.
Amen.
Segensspruch
Der Segen Gottes begleite dich,
wenn Wege sich trennen
und Fragen offenbleiben.
Er stärke dich im Fallen,
er tröste dich im Schweigen
und öffne dir neue Horizonte,
wo du sie noch nicht sehen kannst.
So segne dich der barmherzige Gott,
der Anfang und das Ende,
der Bleibende in allem Wandel.
Amen.
“Maybe We Should Let It Fall”
Verse 1
When the words came down like winter rain
You said it soft, you said my name
“Maybe we should separate”
The room went still, it sealed my fate
I’ve been here once, I know this ground
The floor gives way, no solid sound
Different years, the same refrain
Same old sentence, same old pain
Chorus
So what do I do when I’m breaking again?
I’m older now, but it hurts the same
I fall, I fall, I don’t touch the ground
I don’t scream, I don’t make a sound
Maybe I do nothing, maybe I wait
Maybe love bends… but doesn’t break
Verse 2
I used to be the one you leaned upon
The steady hand, the rising sun
Seventeen years I held the line
Now I’m standing still, watching time
No work to run to, no strength to fake
A tired heart, a body that aches
I look away, don’t recognize
The man who once met your hopeful eyes
Chorus
So what do I do when the past returns?
Same old bridges, same old burns
I fall, I fall, through memory
Through who I was and who I couldn’t be
Maybe I do nothing, maybe I stay
Maybe that’s the only honest way
Bridge
Maybe it’s not what it sounds like now
Maybe it’s a cry, not a shutting down
Maybe you’re saying, “Please don’t go
Can we change before we let this go?”
But I don’t know how, I don’t know when
I’m tired of being strong again
So I let the silence speak for me
And write the truth I cannot see
Final Chorus / Outro
So what do I do when the room goes still?
When every answer bends to will
I fall, I fall, and let it be
There’s something real in gravity
You said it once, you say it still
“Maybe we should…”
I let it fall.
(Lyrics & Music by Gert Holle – 12.01.2026)
„Vielleicht sollten wir es sein lassen“
Strophe 1
Als die Worte wie Winterregen fielen
Sagtest du es leise, du sagtest meinen Namen
„Vielleicht sollten wir uns trennen“
Der Raum wurde still, mein Schicksal war besiegelt
Ich war schon einmal hier, ich kenne diesen Boden
Der Boden gibt nach, kein fester Klang
Verschiedene Jahre, derselbe Refrain
Derselbe alte Satz, derselbe alte Schmerz
Refrain
Was soll ich also tun, wenn ich wieder zerbreche?
Ich bin jetzt älter, aber es tut genauso weh
Ich falle, ich falle, ich berühre den Boden nicht
Ich schreie nicht, ich mache keinen Laut
Vielleicht tue ich nichts, vielleicht warte ich
Vielleicht biegt sich die Liebe ... aber sie bricht nicht
Strophe 2
Ich war früher derjenige, auf den du dich gestützt hast
Die ruhige Hand, die aufgehende Sonne
Siebzehn Jahre lang habe ich durchgehalten
Jetzt stehe ich still da und beobachte die Zeit
Keine Arbeit, zu der ich laufen kann, keine Kraft, um etwas vorzutäuschen
Ein müdes Herz, ein Körper, der schmerzt
Ich schaue weg, erkenne ihn nicht wieder
Den Mann, der einst deinen hoffnungsvollen Blick erwidert hat
Refrain
Was soll ich also tun, wenn die Vergangenheit zurückkehrt?
Dieselben alten Brücken, dieselben alten Verbrennungen
Ich falle, ich falle, durch Erinnerungen
Durch den, der ich war, und den, der ich nicht sein konnte
Vielleicht tue ich nichts, vielleicht bleibe ich
Vielleicht ist das der einzig ehrliche Weg
Bridge
Vielleicht ist es nicht so, wie es jetzt klingt
Vielleicht ist es ein Schrei, kein Abschalten
Vielleicht sagst du: „Bitte geh nicht
Können wir uns ändern, bevor wir das aufgeben?“
Aber ich weiß nicht wie, ich weiß nicht wann
Ich bin es leid, wieder stark zu sein
Also lasse ich die Stille für mich sprechen
Und schreibe die Wahrheit, die ich nicht sehen kann
Finaler Refrain / Outro
Was mache ich also, wenn es im Raum still wird?
Wenn jede Antwort sich dem Willen beugt
Falle ich, falle ich und lasse es geschehen
Es gibt etwas Reales in der Schwerkraft
Du hast es einmal gesagt, du sagst es immer noch
„Vielleicht sollten wir ...“
Ich lasse es fallen.
Autor: Gert Holle - 13.01.2026
