Ich gebe nicht auf

Eine Besinnung zum Song "I Will Not Give Up" von und mit Gert Holle

„Ich gebe nicht auf“ – das ist kein lauter Satz.
Er gehört nicht zu den Parolen der Erfolgreichen.
Er wird nicht gerufen, sondern eher geflüstert.
Oft sagt ihn jemand, der schon lange unterwegs ist.

Durchhalten über viele Jahre ist keine Frage der bloßen Willenskraft.
Der Wille ermüdet. Die Begeisterung auch.
Was bleibt, ist Treue – und die wächst langsamer als Hoffnung.
Sie zeigt sich nicht im schnellen Aufbruch,
sondern im stillen Wiederanfangen.

Die Bibel kennt diese Form des Lebens gut.
Sie spricht weniger vom schnellen Sieg
als vom langen Weg.
Abraham geht, ohne zu wissen, wohin (Gen 12).
Mose bleibt, obwohl das Volk murrt (Ex 17).
Elija will aufgeben – und wird in der Erschöpfung neu gestärkt (1 Kön 19).
Paulus schreibt nicht von Erfolg, sondern davon,
„nicht müde zu werden, Gutes zu tun“ (Gal 6,9).

Christlicher Glaube ist kein Garant dafür,
dass sich Mühe auszahlt –
aber er ist die Überzeugung,
dass Mühe nicht sinnlos ist.

Philosophisch gesprochen:
Der Mensch lebt nicht nur von Ergebnissen,
sondern von Bedeutung.
Sinn entsteht nicht erst dort, wo etwas sichtbar wird,
sondern dort, wo jemand etwas um seiner Wahrheit willen tut.
Hannah Arendt sprach vom „Handeln“,
das seinen Wert nicht aus dem Resultat bezieht,
sondern aus der Verantwortung gegenüber der Welt.
Im Glauben wird diese Verantwortung
zur Antwort auf Gott.

„Ich gebe nicht auf“ heißt dann:
Ich vertraue darauf,
dass mein Tun eingebettet ist in einen größeren Zusammenhang,
den ich nicht überblicke.
Dass Gott rechnet – anders als ich.
Dass er nicht nur das Vollendete sieht,
sondern auch das Treue.

Der feste Glaube ist dabei keine emotionale Hochform.
Er ist oft unspektakulär.
Er zeigt sich darin,
dass man bleibt,
wo andere gegangen sind.
Dass man weiter singt,
auch wenn niemand klatscht.
Dass man weiter schreibt,
auch wenn es still bleibt.

Jesus selbst spricht vom Senfkorn (Mk 4,30–32):
Das Kleinste, das wächst –
nicht durch Hast, sondern durch Zeit.
„Der Same geht auf und wächst –
der Mensch weiß nicht wie“ (Mk 4,27).
Das ist vielleicht einer der tröstlichsten Sätze der Schrift.

Nicht alles, was wirkt, meldet sich zurück.
Nicht alles, was trägt, macht sich bemerkbar.
Aber im Glauben darf man darauf vertrauen:
Kein Schritt in Treue ist verloren.
Kein Lied umsonst gesungen.
Kein Wort vergeblich gesprochen.

„Ich gebe nicht auf“
ist deshalb kein Trotz gegen die Welt,
sondern ein stilles Ja zu Gott.


Gebet

Gott,
du siehst die Wege, die lang geworden sind.
Du kennst die Tage ohne Echo
und die Nächte, in denen Zweifel lauter waren als Hoffnung.

Du weißt um die Mühe,
die niemand zählt,
und um die Treue,
die kein Applaus begleitet.

Halte mich fest,
wenn meine Kraft nachlässt.
Erinnere mich daran,
dass du im Verborgenen wirkst
und dass deine Zeit nicht meine Zeit ist.

Lass mich weitergehen,
nicht aus Stolz,
sondern aus Vertrauen.
Amen.


Segenszuspruch

Der Gott der Geduld segne dich.
Er stärke dich im langen Atem
und bewahre dein Herz vor dem Ermatten.

Er lasse wachsen,
was du im Stillen gesät hast.
Er gebe dir Frieden darin,
dass du nicht alles sehen musst.

So segne dich Gott,
der Anfang und Vollendung ist,
heute und alle Tage.
Amen.

 

 

Songtext

I Will Not Give Up 

 

Verse 1
Before the morning finds its voice
I rise while all is still
The dark is full of quiet prayers
I never speak, but feel
I read the world with tired eyes
And lay it at Your feet
A thousand words, a fragile hope
In faith, not in defeat

Pre-Chorus
No trumpet sounds, no open door
No hands reach back to me
But I believe You see it all
What no one else can see

Chorus
I will not give up
I will not fall
I trust the seeds You let me sow
Though they seem small
You hold the time
You know the way
I will not give up
I will stay


Verse 2
I’ve written songs into the wind
Since I was young and brave
A borrowed chord, a searching heart
The gift You freely gave
I sang of love, of broken roads
Of mercy on the ground
Of stars that shine for those who walk
Where hope is rarely found

Pre-Chorus
I do not need the loud applause
Or proof that I’m enough
If just one soul feels less alone
That grace has been enough

Chorus
I will not give up
I will not fear
I place my days into Your hands
Year after year
You see the work
I cannot trace
I will not give up
By grace


Bridge
Maybe one day I will hear
A quiet “thank you” in the crowd
Or maybe not — and still I know
My life was prayer, not just out loud
I walk by faith, not by the signs
Not by the numbers on the page
I trust the light You hid in me
To shine beyond this age


Verse 3
The world is loud, but You are near
In whispers and in breath
You teach me how to lose my fear
Of silence and of depth
I am not broken by the wait
Nor by the unseen fruit
You call me faithful, not because
I won — but because I stayed true

Final Chorus (soft, lifted)
I will not give up
I will not run
I rest my hope in what You do
Not what I’ve done
You are my why
You are my stay
I will not give up
I will pray

Outro
In every word
In every song
I will not give up
I belong

 

(Lyrics & Music by Gert Holle – 4.02.2026)
Ich werde nicht aufgeben

Strophe 1

Bevor der Morgen seine Stimme findet

Stehe ich auf, während noch alles still ist

Die Dunkelheit ist voller stiller Gebete

Ich spreche nie, aber ich fühle

Ich lese die Welt mit müden Augen

Und lege sie zu Deinen Füßen nieder

Tausend Worte, eine zerbrechliche Hoffnung

Im Glauben, nicht in der Niederlage

Pre-Chorus

Keine Trompeten erklingen, keine Türen öffnen sich

Keine Hände reichen mir die Hand

Aber ich glaube, dass Du alles siehst

Was niemand sonst sehen kann

Refrain

Ich werde nicht aufgeben

Ich werde nicht fallen

Ich vertraue auf die Samen, die Du mich säen lässt

Auch wenn sie klein erscheinen

Du hältst die Zeit in Deiner Hand

Du kennst den Weg

Ich werde nicht aufgeben

Ich werde bleiben

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Strophe 2

Ich habe Lieder in den Wind geschrieben

Seit ich jung und mutig war

Ein geliehener Akkord, ein suchendes Herz

Das Geschenk, das Du mir frei gegeben hast

Ich sang von Liebe, von zerbrochenen Straßen

Von Gnade auf der Erde

Von Sternen, die für diejenigen leuchten, die wandeln

Wo Hoffnung selten zu finden ist

Pre-Chorus

Ich brauche keinen lauten Applaus

Oder den Beweis, dass ich genug bin

Wenn nur eine Seele sich weniger allein fühlt

Dann war diese Gnade genug

Refrain

Ich werde nicht aufgeben.

Ich werde keine Angst haben.

Ich lege meine Tage in Deine Hände.

Jahr für Jahr.

Du siehst das Werk,

das ich nicht nachvollziehen kann.

Ich werde nicht aufgeben.

Durch Gnade.

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Bridge

Vielleicht werde ich eines Tages

ein leises „Danke” in der Menge hören.

Oder vielleicht auch nicht – und dennoch weiß ich,

dass mein Leben Gebet war, nicht nur laut ausgesprochen.

Ich gehe im Glauben, nicht nach den Zeichen.

Nicht nach den Zahlen auf dem Papier

Ich vertraue auf das Licht, das Du in mir versteckt hast

Damit es über dieses Zeitalter hinaus leuchtet

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Strophe 3

Die Welt ist laut, aber Du bist nah

In Flüstern und Atemzügen

Lehrst Du mich, meine Angst zu verlieren

Vor Stille und Tiefe

Ich bin nicht gebrochen vom Warten

Noch von den unsichtbaren Früchten

Du nennst mich treu, nicht weil

Ich gewonnen habe – sondern weil ich treu geblieben bin

Schlussrefrain (leise, erhoben)

Ich werde nicht aufgeben

Ich werde nicht weglaufen

Ich setze meine Hoffnung auf das, was du tust

Nicht auf das, was ich getan habe

Du bist mein Grund

Du bist mein Halt

Ich werde nicht aufgeben

Ich werde beten

Outro

In jedem Wort

In jedem Lied

Ich werde nicht aufgeben

 

Ich gehöre dazu


Autor: Gert Holle - 4.02.2026