Zwischen Pilgersehnsucht und Massentourismus

Büdinger Tierarzt Dr. Christoph Kober berichtet im Podcast über seine Erfahrungen auf dem Jakobsweg

Dr. Christoph Kober aus Büdingen berichtet über seine Erfahrungen auf dem Jakobsweg. Foto: Gert Holle
Dr. Christoph Kober aus Büdingen berichtet über seine Erfahrungen auf dem Jakobsweg. Foto: Gert Holle

27.05.2026

 

(Nidda/Büdingen/gho) - Was bewegt Menschen dazu, sich wochenlang zu Fuß auf den Weg nach Santiago de Compostela zu machen? Warum pilgern heute jedes Jahr Hunderttausende Menschen auf dem berühmten Camino Francés? Und was suchen sie dort zwischen körperlicher Herausforderung, Begegnung und Spiritualität?

Mit diesen Fragen beschäftigt sich ein neuer Podcast im Internetportal „WIR IM NETZ – Kultur und Glaube Aktuell“. Gesprächspartner ist dabei Dr. Christoph Kober, der sich über eine Stunde lang offen, kenntnisreich und persönlich den Fragen von Gert Holle, leitender Redakteur und Herausgeber des Portals, stellte.

Der pensionierte Tierarzt aus Büdingen gehört zu den Menschen, die den Jakobsweg nicht nur einmal erlebt haben. Mehrfach war Kober selbst auf dem Camino Francés unterwegs. In diesem Frühjahr übernahm er zudem für mehrere Wochen Verantwortung als sogenannter Hospitalero in der CASA Paderborn in Pamplona — einer Pilgerherberge am Jakobsweg, die seit 20 Jahren Pilger aus aller Welt beherbergt und begleitet.

Im Podcast schildert Kober eindrucksvoll die besondere Atmosphäre des Pilgerns, spricht über persönliche Erfahrungen, Begegnungen und die oft überraschende Wirkung des langen Unterwegsseins. Dabei geht es nicht nur um Landschaften und Etappen, sondern auch um die innere Seite des Pilgerns: um Entschleunigung, Nachdenklichkeit und die Frage, warum Menschen gerade heute wieder verstärkt spirituelle Wege suchen.

Auch die Veränderungen des Jakobswegs werden thematisiert. Der zunehmende Pilgerboom, neue Regeln zum Erhalt der Compostela und die Diskussion um Massentourismus auf dem Camino spielen dabei ebenso eine Rolle wie die Suche vieler Menschen nach Orientierung und Sinn.

Besonders eindrucksvoll wirkt im Gespräch die große persönliche Verbundenheit Kobers mit dem Jakobsweg und seinen Symbolen. Als eine Art „Zusatzbonbon“ erläutert er am Ende des Podcasts ausführlich die Bedeutung der Jakobsmuschel — jenes traditionellen Zeichens der Pilger nach Santiago de Compostela.

Dabei schlägt er auch einen bemerkenswerten lokalen Bogen in die Wetterau: Kürzlich schenkte Kober den Benediktinerinnen des Kloster Engelthal im Rahmen einer Maiandacht jeweils eine Jakobsmuschel, die zuvor in Pamplona gesegnet worden war. Die Ordensgemeinschaft wird das Kloster im Sommer altersbedingt verlassen; künftig soll das Gebäude als Hospiz genutzt werden.

Die Geste Kobers wurde von vielen als bewegendes Zeichen der Verbundenheit und Wertschätzung verstanden — nicht nur gegenüber den Schwestern, sondern auch gegenüber einem Ort, der für viele Menschen über Jahrzehnte spirituelle Heimat gewesen ist.

So ist der Podcast letztlich weit mehr als ein Reisebericht über den Jakobsweg geworden. Er erzählt von Begegnungen, von Menschlichkeit und von der Sehnsucht vieler Menschen, unterwegs nicht nur neue Orte, sondern vielleicht auch neue Perspektiven für das eigene Leben zu finden.

Der Podcast „Zwischen Pilgersehnsucht und Massentourismus“ ist online im Portal „WIR IM NETZ – Kultur und Glaube Aktuell“ abrufbar.

Podcast bei WIR IM NETZ anhören

 

 

 


Autor: Gert Holle - 27.05.2026