Eine Besinnung zu dem Song „Einfach nur Farbe“

von und mit Gert Holle

Eine Besinnung zu dem Song „Einfach nur Farbe“ – von und mit Gert Holle

 

Es gibt Dinge im Leben, die wir nicht verlernen – wir legen sie nur beiseite.
Wie ein Blatt Papier, das zu lange unberührt bleibt. Wie Farben, die eintrocknen, weil niemand mehr den Mut hat, sie zu öffnen.

Und doch: Der Impuls, zu gestalten, verschwindet nicht. Er wartet. Still. Geduldig.
Vielleicht ist es kein Zufall, dass er sich gerade dann meldet, wenn vieles im Leben geordnet scheint. Wenn wir „funktionieren“. Wenn wir gelernt haben, wie man es richtig macht.

Denn das Eigentliche entzieht sich oft dem „Richtig“.

Wir leben in einer Welt, die bewertet: gelungen oder misslungen, Talent oder Mangel, Kunst oder Gekritzel. Doch das Leben selbst kennt diese Kategorien nicht. Ein Baum fragt nicht, ob er schön gewachsen ist. Ein Himmel zweifelt nicht an seiner Farbe. Und ein Mensch, der malt, folgt im Grunde nur einer uralten Bewegung: dem Wunsch, dem Inneren eine Gestalt zu geben.

Vielleicht liegt genau darin etwas zutiefst Philosophisches – ja, vielleicht sogar etwas Geistliches:
Dass wir nicht nur sind, sondern uns ausdrücken dürfen. Dass wir nicht nur denken, sondern sichtbar machen, was in uns lebt.

Und dass gerade das Unfertige, das Ungenaue, das Tastende oft näher an der Wahrheit ist als jede Perfektion.

Es braucht Mut, wieder anzufangen.
Mut, sich dem leeren Blatt zu stellen – ohne Garantie, ohne Ergebnis, ohne Applaus.
Aber vielleicht ist genau das der Punkt: dass wir nicht malen, um etwas zu beweisen, sondern um uns selbst zu begegnen.

Und vielleicht entdecken wir dabei etwas, das wir lange übersehen haben:
Dass wir längst „genug“ sind – nicht trotz unserer Linien, sondern in ihnen.

So wird aus einem einfachen Versuch ein leiser Aufbruch.
Nicht hin zu einem Ziel, sondern zurück zu einer Quelle.


Segensspruch

Mögest du den Mut finden, dein eigenes Blatt wieder in die Hand zu nehmen.
Mögest du dich nicht fürchten vor Linien, die nicht gerade sind, und Farben, die verlaufen.
Mögest du entdecken, dass in jedem Strich ein Stück Wahrheit liegt – deine Wahrheit.

 

Und möge das, was du gestaltest, nicht nur das Papier berühren,
sondern auch dein Herz –
leise, behutsam, und voller Leben.

Songtext: Einfach nur Farbe

 

Strophe 1
Ich hab so vieles angefangen, manches auch vollendet,
hab Töne in die Welt gesetzt und Worte, die was wenden.
Doch irgendwo im Kinderzimmer, zwischen Blatt und Licht,
lag ein Traum mit linken Händen – den erreichte ich nicht.

Man hat mich sanft gezwungen, in die „richtige“ Spur,
rechte Hand, saubere Linien – und ich folgte nur.
Doch das Blatt blieb still und fremd, und ich blieb neben mir,
hab die Farben nie verstanden – und auch sie verstanden mich nie..

 

Pre-Chorus
Und jetzt nach all den Jahren
klopft da was ganz leise an …

 

Refrain
Lass mich einfach nur Farbe sein,
nicht perfekt und nicht geschniegelt fein,
keine Linie muss gerade geh’n –
ich will fühlen, statt nur zu versteh’n.
Lass mich einfach nur Farbe sein,
ohne Maß und ohne „so muss es sein“,
vielleicht ist genau darin mein Glück –
ein Schritt nach vorn, ein Strich zurück.


Strophe 2
Meine Frau hat’s gut gemeint, hat mir Mut geschenkt,
eine Stunde, die vielleicht mein altes Bild umlenkt.
„Jeder kann doch malen“, hat sie einfach so gesagt,
und ich hab mich still gefragt, ob mich das auch wirklich trägt.

Doch dann kam diese Nachricht – abgesagt, vorbei,
weil da außer mir wohl keiner neugierig genug noch sei.
Und ich sitz hier mit dem Zettel und fühl mich wieder klein,
zwischen „lass es lieber bleiben“ und „probier es doch allein“.

 

Pre-Chorus
Und wieder diese Stimme,
die sagt: „Was, wenn es nicht reicht?“

 

Refrain
Lass mich einfach nur Farbe sein,
nicht perfekt und nicht geschniegelt fein,
keine Linie muss gerade geh’n –
ich will fühlen, statt nur zu versteh’n.
Lass mich einfach nur Farbe sein,
ohne Maß und ohne „so muss es sein“,
vielleicht ist genau darin mein Glück –
ein Schritt nach vorn, ein Strich zurück.


Bridge
Ich werd kein Picasso, kein Rembrandt, kein van Gogh,
doch vielleicht liegt genau darin irgendwo mein „Warum“.
Nicht größer, nicht besser – nur ehrlich und frei,
ein bisschen mehr ich selbst – und ein bisschen dabei.

Und wenn du das hörst und dich ähnlich verlierst,
weil du glaubst, dass du’s eh nie „richtig“ probierst –
dann nimm dir ’nen Stift, ganz egal, was entsteht,
weil’s am Ende nicht um Können, sondern um Leben geht.


Letzter Refrain
Lass uns einfach nur Farbe sein,
uns verlier’n und uns neu verzeih’n,
keine Angst vor dem ersten Strich –
denn vielleicht malt das Leben dich.
Lass uns einfach nur Farbe sein,
komm, wir lassen das Müssen sein,
und vielleicht, wenn wir’s einfach tun,
fängt die Seele ganz leise an zu ruh’n.

 

 

(Worte & Musik: Gert Holle – 16.04.2026)


Autor: Gert Holle - 17.04.2026