Jeder Mensch trägt seinen eigenen „Koffer des Lebens“ mit sich herum.
Gefüllt mit Erinnerungen, schönen Momenten, Hoffnungen, aber auch mit Verletzungen, Enttäuschungen und Dingen, die wir vielleicht längst hätten loslassen sollen.
Aus meinem neuen Song „Suitcase of Life / Der Koffer des Lebens“ ist jetzt auch eine christlich-philosophische Besinnung für die Rubrik „WortWeise“ in WIR IM NETZ – Kultur und Glaube Aktuell entstanden.
Es geht um die Frage:
Was tragen wir eigentlich Tag für Tag mit uns herum?
Und was würde geschehen, wenn wir manches davon endlich loslassen könnten?
Vielleicht entdeckt Ihr Euch selbst in einigen Gedanken wieder.
22.05.2026
Der Koffer des Lebens
Eine Besinnung zu Erinnerungen, Ballast und der Sehnsucht nach Leichtigkeit
von und mit Gert Holle
Es gibt Bilder, die uns nicht mehr loslassen.
Der „Koffer des Lebens“ ist so ein Bild.
Jeder Mensch trägt ihn mit sich. Unsichtbar zwar — und doch spürbar schwer. Manche schleppen ihn hastig durch die Jahre, andere tragen ihn vorsichtig wie einen Schatz. In ihm liegen Erinnerungen, Begegnungen, Hoffnungen, Verletzungen, Erfolge und Niederlagen. Niemand von uns reist mit leeren Händen durchs Leben.
Vielleicht beginnt dieser Koffer schon in der Kindheit, sich langsam zu füllen. Mit Stimmen, die uns geprägt haben. Mit Momenten des Glücks. Aber auch mit Erfahrungen, die Narben hinterließen. Später kommen Enttäuschungen dazu, verlorene Chancen, Schuld, Sehnsucht, Fragen ohne Antwort. Und oft geschieht etwas Merkwürdiges: Wir lernen zwar im Leben vieles — aber nur selten das Loslassen.
Der Philosoph Søren Kierkegaard schrieb einmal sinngemäß, dass das Leben vorwärts gelebt, aber rückwärts verstanden wird. Vielleicht liegt genau darin das Geheimnis unseres inneren Koffers. Erst mit Abstand erkennen wir, was wirklich wichtig war — und was wir unnötig mitgeschleppt haben.
Wie viele Menschen tragen noch Worte mit sich herum, die vor Jahrzehnten
gesprochen wurden?
Wie viele bewahren Verletzungen auf wie alte Briefe?
Wie viele definieren sich bis heute über ein Scheitern, eine Angst oder einen Verlust?
Der christliche Glaube erzählt demgegenüber von einem Gott, der den Menschen nicht zur Last werden will, sondern zur Befreiung. Jesus sagt:
„Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch
erquicken.“
(Matthäus 11,28)
Das ist mehr als ein schöner religiöser Satz. Es ist eine Einladung, den Koffer nicht krampfhaft festzuhalten. Nicht alles muss für immer mitgetragen werden. Manche Erinnerungen dürfen bleiben, weil sie uns geprägt haben. Andere aber dürfen wir Gott hinhalten, damit sie uns nicht länger bestimmen.
Vielleicht bedeutet geistliche Reife nicht, immer mehr anzusammeln, sondern leichter zu werden. Dankbarer. Freier. Friedvoller.
Der französische Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry schrieb:
„Man sieht nur mit dem Herzen gut.“
Vielleicht gilt auch:
Man reist nur mit leichtem Herzen gut.
Am Ende unseres Lebens wird vermutlich nicht entscheidend sein, wie voll unser Koffer war. Sondern ob darin Liebe zu finden ist. Menschlichkeit. Versöhnung. Vertrauen. Augenblicke echten Lebens.
Und vielleicht wird Gott uns dann nicht fragen, warum wir so vieles falsch gemacht haben — sondern warum wir vergessen haben, dass wir den Weg niemals allein gehen mussten.
Gebet
Guter Gott,
Du kennst die verborgenen Räume unseres Lebens.
Du weißt, was wir mit uns tragen —
die schönen Erinnerungen ebenso wie die schweren Lasten.
Manches hätten wir längst loslassen sollen,
und doch halten wir daran fest.
Manches schmerzt noch immer,
obwohl viele Jahre vergangen sind.
Hilf uns, Frieden zu schließen
mit unserer Geschichte,
mit unseren Fehlern,
mit uns selbst.
Schenke uns den Mut, Ballast abzugeben,
damit unser Herz wieder leichter wird.
Und lass uns erkennen,
dass Deine Liebe größer ist
als alles, was uns belastet.
Begleite uns auf unserem Weg —
heute, morgen und an allen Tagen unseres Lebens.
Amen.
Segen
Der Herr segne Deinen Weg
und mache Dein Herz leicht.
Er schenke Dir Frieden mit Deiner Vergangenheit,
Mut für Deine Gegenwart
und Hoffnung für alles, was kommt.
Er begleite Dich auf allen Wegen
mit seiner Liebe, seinem Licht und seinem Frieden.
So segne Dich der gute Gott,
der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Amen.
Autor: Gert Holle - 22.05.2026
