Denn Du bist mein Lied – eine leise Spur der Dankbarkeit

Eine Besinnung von und mit Gert Holle

Manchmal verändert sich ein Lied, ohne dass sich sein Kern verändert.
Es ist noch dasselbe – und doch ein anderes.

Als ich dieses Lied vor Jahren geschrieben habe, war es getragen von der Leichtigkeit des Frühlings: von blühenden Wiesen, von Farben, von einem Gefühl des Aufbruchs. Jetzt klingt es anders. Die neue Melodie ist ruhiger geworden, nach innen gewandt, fast wie ein Gebet. Und vielleicht war genau das schon immer in ihm angelegt.

Denn Dankbarkeit ist nicht nur laut und hell.
Oft ist sie leise.
Manchmal sogar still.

„Denn Du bist mein Lied“ – dieser Satz ist für mich mehr als ein poetisches Bild. Er ist Ausdruck einer Erfahrung: Dass da etwas ist, was mich trägt, auch wenn ich es nicht festhalten kann. Etwas, das mich begleitet auf den Wegen meines Lebens, das vorausgeht und doch zugleich ganz nah ist.

In der Sprache des Glaubens nenne ich es Gott.
Andere würden vielleicht von Vertrauen sprechen, von Liebe, von einer inneren Kraft.

Und vielleicht ist genau das das Geheimnis:
Dass sich diese Wirklichkeit nicht festlegen lässt, sondern sich im Leben jedes Menschen anders zeigt – und doch immer wieder ähnlich spürbar wird.

In dem Lied taucht ein Satz auf, der mir besonders wichtig ist:
das Ich im Wir.

Er erinnert mich daran, dass Leben nicht im Alleinsein gelingt. Dass wir hineingestellt sind in Beziehungen – zu anderen Menschen, zur Welt, und für mich auch zu Gott. Und dass genau darin eine Kraft liegt, die uns oft erst dann bewusst wird, wenn wir sie brauchen.

Die neue, ruhigere Klangfarbe des Liedes hat mir noch einmal gezeigt:
Dank ist nicht nur eine Reaktion auf das Gute, das wir erleben.
Dank kann auch ein Vertrauen sein – mitten im Unfertigen, mitten im Offenen.

Vielleicht ist dieses Lied deshalb zu einem kleinen Dankgebet geworden.
Nicht im Sinne großer Worte, sondern als ein Innehalten.
Ein Hören.
Ein Spüren.

Und vielleicht kann es auch für andere Menschen zu so einem Moment werden – unabhängig davon, wie sie glauben oder was sie glauben.

Ein Moment, in dem etwas anklingt, das größer ist als wir selbst.
Ein Moment, in dem wir ahnen:

Wir sind getragen.

Und vielleicht ist genau das schon genug.

Denn Du bist mein Lied.

 

 


Autor: Gert Holle - 19.04.2026