WIR IM NETZ - Kultur und Glaube


Der Impuls zum Tage

Ein bisschen Freundlichkeit kann Wunder tun

eine Besinnung von und mit Gert Holle

Es ist Feierabend. Die Autos stauen sich vor einer Baustelle. Zwei Fahrspuren werden zu einer. Jeder möchte möglichst schnell nach Hause. Einer bremst, hält an und lässt einen anderen Wagen einfädeln. Der Fahrer wartet einen kurzen Moment auf das kleine Zeichen, das früher fast selbstverständlich war: ein kurzes Handheben, ein Nicken, ein Lächeln.

Nichts.

Der andere fährt einfach weiter.

Eine Kleinigkeit? Gewiss. Und doch bleibt etwas zurück. Nicht wegen der fehlenden Geste selbst. Sondern weil sie für etwas Größeres steht. Für die Frage, wie wir miteinander umgehen. Für die Frage, ob wir den anderen überhaupt noch wahrnehmen.

Vielleicht sind es gerade die kleinen Dinge, an denen sich der Zustand einer Gesellschaft zeigt.

Wir leben in einer Zeit, in der wir mit Menschen auf der ganzen Welt verbunden sind und uns doch oft fremder erscheinen als früher. Nachrichten erreichen uns in Sekunden. Kontakte entstehen mit einem Klick. Und dennoch beklagen viele eine zunehmende Distanz. Das Gefühl, dass Respekt, Aufmerksamkeit und Freundlichkeit seltener geworden sind.

Doch stimmt das wirklich?

Oder fällt uns das Unfreundliche nur stärker auf als das Gute?

Der chinesische Philosoph Konfuzius soll gesagt haben: „Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu.“ Es ist ein Gedanke, der Jahrtausende überdauert hat. Nicht weil er kompliziert wäre, sondern weil er so einfach ist. Er erinnert daran, dass jede Begegnung zwei Seiten hat. Dass ich nicht nur Empfänger, sondern auch Sender bin.

Noch einen Schritt weiter ging der Philosoph Martin Buber. Für ihn entscheidet sich Menschlichkeit daran, ob wir dem anderen als Person begegnen oder ihn nur als Hindernis, Funktion oder Mittel zum Zweck betrachten. Sein berühmtes „Ich und Du“ beschreibt eine Welt, in der Menschen einander wirklich ansehen, wirklich zuhören und wirklich begegnen.

Vielleicht liegt genau hier ein Teil unseres Problems.

Wenn der andere nur noch der Autofahrer vor mir ist, der Kunde vor mir, der Kollege neben mir oder die Person mit einer anderen Meinung, dann verlieren wir leicht den Blick für den Menschen dahinter.

Doch jeder Mensch trägt seine Geschichte mit sich.

Jeder kämpft Kämpfe, die wir nicht kennen.

Jeder trägt Sorgen, von denen wir nichts wissen.

Das entschuldigt nicht jedes Verhalten. Aber es macht verständlicher, warum Menschen manchmal anders reagieren, als wir es erwarten.

Der römische Philosoph Seneca empfahl Gelassenheit nicht deshalb, weil ihm alles gleichgültig gewesen wäre. Im Gegenteil. Er wusste, dass wir nicht kontrollieren können, wie andere handeln. Aber wir können entscheiden, wie wir selbst reagieren.

Vielleicht beginnt Freundlichkeit genau dort.

Nicht erst dann, wenn andere freundlich sind.

Nicht erst dann, wenn wir ein Dankeschön bekommen.

Nicht erst dann, wenn die Welt es verdient.

Sondern genau in dem Moment, in dem wir versucht sind, uns über andere zu ärgern.

Vielleicht ist Freundlichkeit keine Reaktion.

Vielleicht ist sie eine Entscheidung.

Eine Entscheidung, die manchmal überraschende Kreise zieht. Ein Lächeln hier. Ein gutes Wort dort. Ein Moment des Verständnisses. Und irgendwo wird ein Tag ein wenig heller, ohne dass wir es jemals erfahren.

Die Welt verändert sich selten durch große Gesten.

Oft verändert sie sich durch Menschen, die sich weigern, ihre Menschlichkeit zu verlieren.

Gebet

Guter Gott,

du hast uns nicht geschaffen, um gegeneinander zu leben, sondern miteinander.

Schenke uns offene Augen für die Menschen um uns herum.
Bewahre uns davor, vorschnell zu urteilen.
Lass uns erkennen, dass hinter jedem Gesicht eine Geschichte steht und hinter jedem Menschen ein Herz schlägt.

Gib uns die Kraft, freundlich zu bleiben, wenn Unfreundlichkeit uns begegnet.
Geduldig zu bleiben, wenn wir uns ärgern.
Verständnis zu zeigen, wenn wir lieber urteilen würden.

Lass uns selbst zu Menschen werden, die Hoffnung schenken, Brücken bauen und Frieden stiften.

Und wo wir anderen ein Lächeln schenken können, hilf uns, es nicht zurückzuhalten.

Amen.

Segen

Der Herr segne deine Gedanken,
damit sie von Wohlwollen geprägt sind.

Der Herr segne deine Worte,
damit sie Trost, Mut und Hoffnung schenken.

Der Herr segne deine Begegnungen,
damit aus Fremden Mitmenschen werden.

Und der Herr segne dein Herz,
damit es freundlich bleibt –
auch dann, wenn die Welt es nicht immer ist.

So begleite dich Gottes Liebe,
heute, morgen und an allen Tagen.

Amen.

 

 


Aktuell

Heute in "WIR IM NETZ - Kultur und Glaube Aktuell" u.a.:

 

- Rekordinteresse am Deutschen Kinderbuchpreis 2026: So viele Einreichungen wie nie zuvor

https://www.wirimnetz.net/.../rekordinteresse-am.../

- Mehr Wirkung für soziale Innovationen: DSEE und Postcode Lotterie fördern zehn weitere Organisationen im ZukunftsWIRkungs-Fonds

https://www.wirimnetz.net/.../mehr-wirkung-f%C3%BCr.../

- Finalisten des Deutschen Gründerpreises 2026: Technik-Revolution von der Werkshalle bis ans Ende des Universums

https://www.wirimnetz.net/.../finalisten-des-deutschen.../

- ITZY 3RD WORLD TOUR <TUNNEL VISION> IN FRANKFURT

https://www.wirimnetz.net/.../itzy-3rd-world-tour-tunnel.../

- FIDES-NACHRICHTEN - 11.06.2026

Das Zentrum „Las Raíces“ bereitet sich auf den Besuch von Papst Leo XIV. vor

https://www.wirimnetz.net/nachrichten/aus-aller-welt/

- Knauf Mitarbeitende erhalten Anerkennung für 10.000 Stunden Dienst im Ehrenamt

https://www.wirimnetz.net/.../knauf-mitarbeitende.../

- Psychologie als Befreiung: Wie das Exodus-Motiv jüdische Denker von Freud bis Rosenberg prägt

https://www.wirimnetz.net/nachrichten/glaube-liebe-hoffnung/

- Zwei Initiativen bewerben sich um Innovationsgelder der badischen Landeskirche

Am 12. Juni findet in Pforzheim der vierte Innovationspitch statt

https://www.wirimnetz.net/nachrichten/glaube-liebe-hoffnung/

- Jugendliche aus Simmern und Umgebung waren in Taizé: Gemeinschaft, Glaubensaustausch und besondere Erinnerungen

 

https://www.wirimnetz.net/.../jugendliche-aus-simmern.../

Gestern in "WIR IM NETZ - Kultur und Glaube Aktuell" u.a.:

 

- Hamburg klingt nach Musik - ELBJAZZ, Reeperbahn Festival und lange Nächte an der Elbe

https://www.wirimnetz.net/.../hamburg-klingt-nach-musik.../

- Tanzend durch den Tag

Eine Besinnung von und mit Gert Holle zu dem Song „Dancing through the Day“

https://www.wirimnetz.net/predigt/tanzend-durch-den-tag/

- Radio ü65 – Wenn Musik Erinnerungen weckt und Menschen verbindet

Ein Podcast mit Stefan Häseli und Gert Holle

https://www.wirimnetz.net/.../podcast-zu-radio-%C3%BC65.../

- Studie: Für 4 Millionen Menschen mehr als 6 Kilometer bis zur nächsten Apotheke

https://www.wirimnetz.net/.../studie-f%C3%BCr-4.../

- Bonifatiuswerk setzt bei Diaspora-Aktion 2026 auf Hoffnung und gelebten Glauben

Kampagnen-Motiv mit Mutter und Kind zeigt, wie Vertrauen und christliche Werte im Alltag weitergetragen werden

https://www.wirimnetz.net/.../bonifatiuswerk-setzt-bei.../

- Raum für Gedenken, Kreativität und Ausblick

Gedenken an Flutkatastrophe von 2021 an unterschiedlichen Orten/ Einsendeschluss Mitmachaktion 16. Juni

https://www.wirimnetz.net/.../gedenken-an.../

- FIDES-NACHRICHTEN - 10.06.2026

Studientag zum „Palazzo di Propaganda Fide“: Kunst, Geschichte und Mission im Herzen des barocken Rom

https://www.wirimnetz.net/nachrichten/aus-aller-welt/

- Aus Musik wird Gemeinschaft

Schweizer Erfolgsprojekt „Radio ü65“ könnte Vorbild für Seniorenradio in der Wetterau werden

https://www.wirimnetz.net/.../aus-musik-wird.../

- Grenzen überwinden, Menschen verbinden, Hoffnung teilen

Bonifatiuswerk feiert Patronatsfest mit internationalen Gästen und das 40. Priesterweihejubiläum von Generalsekretär Monsignore Georg Austen

https://www.wirimnetz.net/.../grenzen-%C3%BCberwinden.../

 

 



WortWeise – Predigten und Andachten zum Hören

Foto: Gert Holle / KI
Foto: Gert Holle / KI

Kurze Hörmomente voller Klang, Glauben und Gefühl


– Die Hörpredigt des Monats von Gerd Schwalm
– und die Andachten mit Liedern von Gert Holle

Worte, die Mut machen, inspirieren und berühren – für alle, die sich zwischendurch Zeit für Kopf und Herz nehmen.

 

 

👉 Jetzt anhören auf wirimnetz.net/predigt


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Hinter WIR IM NETZ steht seit 2002 ein Mann mit klarer Haltung, kreativer Vision und tiefem Werteverständnis: Gert Holle – Theologe, Kommunikationsfachmann, leidenschaftlicher Autor, sozial engagierter Rotarier und kreativer Kopf mit Herz. Als Herausgeber und leitender Redakteur bringt er auf diesem Portal Menschen, Meinungen und Impulse zusammen – fundiert, menschlich und mit einem offenen Blick auf das, was Gesellschaft bewegt.

Ob mit bewegenden Texten, über 200 selbst geschriebenen Songs oder dem selbst entwickelten 3-D-Schachspiel IKARUS – Gert Holle steht für eine Kultur des respektvollen Miteinanders und der geistigen Neugier. Seine Auszeichnung als Paul Harris Fellow unterstreicht sein Engagement für Gemeinsinn und Mitverantwortung.

 

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Gert Holle

(Herausgeber und leitender Redakteur)

 


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