
– WortWeise Spezial: Die Hörpredigt des Monats von Gerd Schwalm
– und die Andachten mit Liedern von Gert Holle
Worte, die Mut machen, inspirieren und berühren – für alle, die sich zwischendurch Zeit für Kopf und Herz nehmen.
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Predigtgedanken von Pfarrer Stefan Mendling zu Apostelgeschichte 3, 1-10
(Quelle: Zentrum Verkündigung der EKHN, Frankfurt), bearbeitet und gesprochen von Prädikant Gerd Schwalm
Autor: Gerd Schwalm; zusammengestellt von Gert Holle - 1.06.2026
Wenn ein Mensch stirbt, geraten Worte in Bewegung.
Sie steigen auf wie Rauch über Kerzenlicht, sie suchen Halt in Erinnerungen, sie versuchen, ein Leben in Sätze zu fassen. Wir erzählen Anekdoten, würdigen Verdienste, sprechen von Charakter,
Glauben, Hoffnung.
Und doch bleibt da dieses stille Wissen: Kein Wort erreicht ganz den Kern.
Denn jeder Mensch ist einzigartig. Nicht nur im biologischen Sinn, nicht nur als unverwechselbare Kombination von Eigenschaften und Erfahrungen. Sondern als Geheimnis. Als ein Gedanke Gottes, der nur einmal gedacht wurde.
Der Psalmist staunt: „Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin.“ (Psalm 139). Dieses Staunen gilt jedem Menschen. Jede Biografie trägt Spuren von Licht und Schatten, von Aufbrüchen und Brüchen. Oft erfahren wir bei einem Abschied Dinge, die uns neu berühren. Und zugleich wissen wir: Es gab Kämpfe, von denen kaum jemand wusste. Tränen, die im Verborgenen flossen. Fragen, die nie laut gestellt wurden.
Manche Menschen sprechen nicht viel über ihre Lasten. Sie tragen sie wie ein verborgenes Gewicht – und sehen dennoch das Gute. Sie glauben nicht spektakulär, sondern still. Ihr Vertrauen ist kein Pathos, sondern eine leise Gewissheit, dass das Leben mehr ist als das Sichtbare.
Philosophisch gesprochen: Jeder Mensch ist ein einmaliges Ereignis im Strom der Zeit. Unwiederholbar. Nicht ersetzbar. Wenn er geht, entsteht eine Lücke, die nicht gefüllt werden kann – nur verwandelt. Martin Buber schrieb vom „Ich und Du“: Wirkliche Begegnung geschieht dort, wo wir einander nicht als Funktion, sondern als Gegenüber sehen. Wenn ein solches „Du“ stirbt, verliert die Welt eine ihrer unverwechselbaren Stimmen.
Und der Glaube?
Er wagt zu sagen: Diese Einzigartigkeit endet nicht im Nichts.
Jesus spricht im Johannesevangelium von den „vielen Wohnungen“ im Haus des Vaters (Johannes 14). Ein starkes Bild. Kein anonymer Raum, sondern ein Ort mit Weite. Mit Platz für jede Geschichte. Mit Raum für das, was unvollendet blieb. Vielleicht bedeutet Auferstehung auch, dass Gott unsere Einzigartigkeit nicht preisgibt.
Doch selbst wenn wir die großen Fragen nicht endgültig beantworten können – eines bleibt: Dankbarkeit. Für gemeinsame Jahre. Für geteilte Wege. Für Lachen, für Streit, für Versöhnung. Für alles, was war.
Abschiednehmen heißt nicht nur loslassen.
Es heißt auch bewahren.
Die Einzigartigkeit eines Menschen lebt weiter – in den Spuren, die er hinterlassen hat. In Gesten, die wir übernommen haben. In Sätzen, die wir plötzlich selbst sagen. In einem Vertrauen, das uns trägt, wenn wir es am wenigsten erwarten.
Vielleicht ist das der leise Trost:
Was von Gott her einzigartig gedacht wurde, bleibt in Gott aufgehoben.
Gebet
Gott,
du Ursprung allen Lebens,
du kennst die Tiefen unserer Geschichten.
Wir danken dir für die Menschen,
die unser Leben geprägt haben –
für ihre Einzigartigkeit,
für ihre Stärke und ihre Verletzlichkeit,
für ihren Glauben, der uns berührt hat.
Wo Abschied schmerzt, sei du Nähe.
Wo Fragen offen bleiben, sei du Hoffnung.
Wo Leere spürbar wird, fülle du sie mit deiner stillen Gegenwart.
Bewahre in uns die Dankbarkeit.
Und lehre uns, das Leben zu achten –
in seiner Zerbrechlichkeit
und in seinem Wunder.
Amen.
Segensspruch
Der Gott, der dich einzigartig geschaffen hat,
segne deine Erinnerung und deinen Weg.
Er bewahre, was kostbar war.
Er heile, was schmerzt.
Er schenke dir Vertrauen für das,
was jenseits unseres Sehens liegt.
Und so begleite dich sein Friede –
heute und alle Tage.
23.02.2026
Von und mit Gert Holle
Es ist ein merkwürdiges Paradox unserer Zeit:
Nie war es so leicht, gehört zu werden – und nie war es so gefährlich.
Wer öffentlich spricht, wird öffentlich bewertet. Das ist weder neu noch an sich problematisch. Schon Aristoteles wusste: Der Mensch ist ein „zoon politikon“, ein auf Gemeinschaft angelegtes Wesen, das sich im Gespräch entfaltet. Öffentlichkeit ist kein Feind – sie ist Voraussetzung von Kultur.
Und doch hat sich etwas verschoben.
Aus dem Gespräch ist häufig ein Tribunal geworden.
Aus Aufmerksamkeit wird Beobachtung.
Aus Beobachtung Bewertung.
Aus Bewertung Empörung.
Der Song „Im Fegefeuer des Rampenlichts“ ist aus einer stillen Distanz heraus entstanden – fernab der täglichen Aufgeregtheiten. Vielleicht braucht es diese Distanz, um zu erkennen, wie schnell wir selbst Teil einer Dynamik werden, die wir zugleich beklagen.
Der dänische Philosoph Søren Kierkegaard sprach im 19. Jahrhundert von „der Öffentlichkeit“ als einer abstrakten Macht, die Verantwortung verdünnt. Niemand ist es – und alle sind es. Das Urteil kommt von überall und von nirgends. In dieser Struktur liegt eine eigentümliche Entlastung: Man muss nicht mehr persönlich einstehen für das eigene Wort, denn man ist nur eine Stimme unter vielen.
Heute verstärken Algorithmen, was Kierkegaard nur ahnen konnte: Empörung erzeugt Reichweite. Reichweite erzeugt Relevanz. Relevanz erzeugt Macht. Und Macht zieht Aufmerksamkeit an wie Sauerstoff das Feuer.
So entsteht ein Kreislauf, in dem Menschen – Schauspieler, Politiker, Künstler, Wissenschaftler – nicht mehr nur für ihr Tun wahrgenommen werden, sondern für jedes Wort, jede Nebenbemerkung, jede vergangene Äußerung, die sich neu kontextualisieren lässt. Was einmal gesagt wurde, bleibt abrufbar. Und was abrufbar ist, kann jederzeit neu entzündet werden.
Das eigentliche Werk tritt in den Hintergrund.
Die Person wird Projektionsfläche.
Das Urteil wird schneller als das Verstehen.
Im theologischen Bild gesprochen: Es ist ein Fegefeuer ohne
Läuterung.
Es brennt – aber es reinigt nicht.
Es erhellt – aber es wärmt nicht.
Das biblische Motiv des Feuers ist ambivalent. Es steht für Gericht – aber auch für Gottes Gegenwart. Für Zerstörung – aber ebenso für Reinigung und Neuanfang. Das Feuer des Pfingstereignisses war kein Feuer der Beschämung, sondern der Verständigung. Es trennte nicht, sondern verband.
Vielleicht liegt genau hier die entscheidende Frage:
Welche Art von Feuer nähren wir?
Das Feuer der schnellen Empörung oder das Feuer des geduldigen
Verstehens?
Das Feuer der moralischen Überlegenheit oder das Licht der Demut?
Jesus warnt im Matthäusevangelium: „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet.“ Das ist kein Aufruf zur Gleichgültigkeit. Es ist eine Erinnerung an die eigene Begrenztheit. Wir sehen Bruchstücke, keine Biographien. Wir hören Sätze, aber selten die Geschichte dahinter.
Und vielleicht trifft uns das Lied auch an einem empfindlichen
Punkt:
Nicht nur die anderen stehen im Rampenlicht. Auch wir selbst sind längst Teil einer Öffentlichkeit, in der jedes Wort Wirkung entfaltet.
Die Frage ist nicht nur: Wer brennt gerade?
Die tiefere Frage lautet: Wer hält das Streichholz?
In der Weite einer Insel, im Wind und unter offenem Himmel, wirkt diese Dynamik plötzlich klein. Der Ozean reagiert nicht auf Schlagzeilen. Die Dünen empören sich nicht. Die Sonne kommentiert nicht. Und doch geschieht dort etwas, das wir vielleicht verlernt haben: Geduld.
Geduld mit dem anderen.
Geduld mit dem Unfertigen.
Geduld mit dem eigenen Urteil.
Vielleicht beginnt eine neue Kultur nicht mit lauteren Stimmen, sondern mit leiseren. Nicht mit mehr Meinung, sondern mit mehr Achtsamkeit. Nicht mit weniger Wahrheit, sondern mit mehr Barmherzigkeit.
Denn Barmherzigkeit ist keine Schwäche. Sie ist die Fähigkeit, im anderen mehr zu sehen als seinen umstrittensten Satz.
Gebet
Gott des Lichts,
Du kennst unsere Worte, noch ehe wir sie sprechen.
Du kennst unsere Gedanken, noch ehe wir sie ordnen.
Bewahre uns davor, schnell zu urteilen
und langsam zu verstehen.
Bewahre uns davor, Feuer zu entfachen,
das mehr zerstört als erhellt.
Schenke uns einen wachen Geist
und ein weites Herz.
Lehre uns, dass Wahrheit und Liebe
keine Gegensätze sind.
Und wenn wir selbst im Licht stehen,
gib uns Gelassenheit.
Wenn wir im Schatten stehen,
gib uns Trost.
Wenn wir versucht sind zu richten,
gib uns Demut.
Amen.
Segensspruch
Der Gott des Friedens segne deine Worte,
dass sie Licht bringen und nicht Hitze.
Er segne dein Hören,
dass du verstehst, bevor du urteilst.
Er segne dein Herz,
dass es weiter ist als der schnelle Zorn.
So gehe deinen Weg im Licht –
nicht im Fegefeuer,
sondern im Schein der Gnade.
„Früher war alles besser.“
Ein Satz wie ein altes Karnevalslied – oft gesungen, selten hinterfragt.
In meiner neuen Besinnung für WIR IM NETZ – Kultur und Glaube aktuell gehe ich diesem Gedanken nach:
Warum verklären wir die Vergangenheit so gern?
Was suchen wir eigentlich, wenn wir sagen: Damals war alles einfacher?
Der dazugehörige Song „Back when it was better“ ( youtu.be/NJ7i5RSiWoU?si=sKhFWr6RIVaB8fHe ) schaut mit einem heiter-ironischen, aber auch melancholischen Blick auf diese Sehnsucht. Nicht anklagend, nicht belehrend – eher fragend.
Es geht um Erinnerung und Gegenwart, um unseren inneren Kompass, um das, was wirklich trägt.
Vielleicht passt das ganz gut in diese närrische Zeit:
Fastnacht erinnert uns daran, dass wir nicht alles so ernst nehmen müssen – am wenigsten uns selbst.
Hör gern in den Song rein
und schau dir das Video an, das mit canva.com entstanden ist
Ich freue mich, wenn Musik und Text ein paar Gedanken anstoßen – und vielleicht auch ein kleines Schmunzeln. - Alles Liebe, Gert Holle -

13.01.2026
Manche Sätze verändern alles.
„Ich glaube, wir sollten uns trennen.“
Diese Worte begegnen uns nicht nur in Beziehungen, sondern auch im Beruf, im Ehrenamt, im Leben
selbst.
Was machen sie mit uns? Und gibt es einen Weg, ihnen mit Hoffnung zu begegnen?
Zu meinem Song „Maybe We Should Let It Fall“ ( youtu.be/R_9hGrZUSkk?si=hzv6Q4bJbDCrI1Em ) ist eine Besinnung entstanden – ruhig, ehrlich und suchend.
Ein kurzer Film, erstellt mit Canva, voller Stille, Tränen und vorsichtiger Hoffnung, lädt zum Innehalten ein.
👉 Nimm dir einen Moment.
👉 Schau hin.
👉 Vielleicht findest du dich darin wieder.
9.01.2026
In einer Zeit, die oft laut, schnell und unsicher ist, wollte ich etwas schaffen, das ehrlich ist.
Ein Gebet, das nicht perfekt klingt – sondern echt.
Gesprochen über rockige Musik, als Dank an Gott, der mich begleitet.
Durch Zweifel. Durch Stürme. Durch alles.
Dieser Song ist meine Erinnerung daran, dass ich nicht alleine gehe.
Vielleicht ist er auch deine.
🎧 Hör rein.
🎥 Schau dir das Video an (erstellt mit Canva).
Und nimm dir einen Moment zum Durchatmen.
Dunkelheit gehört zum Leben – aber Gott schenkt uns ein Licht, das stärker ist als jede Nacht. Inspiriert vom Bibelvers 2. Korinther 4,6 und dem neuen Spiritual „Shine, Oh Shine“ lädt diese Besinnung dazu ein, das eigene Herz neu für Gottes Leuchten zu öffnen.
12.07.2025
Von Nadeln und Nerven, von Zuckerwerten und Zuversicht
„Ich aber bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle
haben.“
– Johannes 10,10
Es beginnt oft leise: Ein bisschen Müdigkeit. Ein Ziehen in den Füßen.
Dann die Diagnose – Diabetes.
Ein Wort, das den Alltag neu ordnet. Mahlzeiten werden gemessen, Bewegungen geplant, Werte protokolliert.
Nicht wenige erleben es als Bruch. Als Einschränkung.
Und doch – vielleicht liegt genau hier eine Tür zur Tiefe verborgen.
Wir leben in einer Welt, in der Leistung, Geschwindigkeit und Kontrolle hoch im Kurs stehen. Doch der Körper hat sein eigenes Maß. Er zwingt uns manchmal, langsamer zu gehen.
Der Philosoph Søren Kierkegaard schrieb einmal:
„Das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden.“
Manchmal erkennen wir erst mit der Zeit, was uns eine Krankheit lehren
kann:
Geduld. Achtsamkeit. Dankbarkeit für das, was noch möglich ist. Und den Wert jeder einzelnen Stunde.
Von Stacheln und Hoffnung
Diabetes sticht – wortwörtlich.
Doch wir sind nicht allein. Nicht mit unseren Fragen:
Was darf ich noch essen?
Werde ich sehen, gehen, spüren können wie früher?
Wird mich meine Kraft tragen – heute, morgen?
Die Bibel kennt „den Dorn im Fleisch“. Paulus spricht davon (2. Korinther
12,7–9). Er fleht darum, davon befreit zu werden.
Doch Gott antwortet anders, vielleicht überraschend:
„Meine Gnade genügt dir, denn meine Kraft kommt in der Schwachheit zur Vollendung.“
Das bedeutet nicht, dass Krankheit gut ist. Aber es bedeutet: Sie hat
nicht das letzte Wort.
Nicht über deinen Wert. Nicht über deine Würde. Nicht über deine Zukunft.
Ein Gott, der mitleidet – und mitträgt
Jesus begegnete vielen Kranken. Und nie tat er es aus der Distanz.
Er ließ sich berühren – im wörtlichen und im seelischen Sinn.
Wer zu ihm kam, wurde gesehen. Nicht als Mensch mit einem Defekt. Sondern als geliebtes Gegenüber.
Und so glauben wir: Es gibt einen, der mitgeht.
Mit durch die unsicheren Tage.
Mit durch die schlaflosen Nächte.
Mit durch das tägliche Ringen, in einem Körper zu wohnen, der nicht mehr „funktioniert“, wie er soll.
Und dennoch: Du bist kein Projekt. Du bist ein Mensch. Geliebt.
Vielleicht ist der Blues, den du singst, nicht das Ende – sondern ein
Anfang.
Ein Takt aus Trauer, Hoffnung, Trotz und Vertrauen.
Gebet
Gott,
du kennst mich – mit allem, was mir das Leben schwer macht.
Du siehst meine Unsicherheiten, meine Erschöpfung, meine Angst.
Du weißt, wie oft ich mich überfordert fühle von Zahlen, Regeln, Einschränkungen.
Hilf mir, in all dem nicht mich selbst zu verlieren.
Zeig mir Wege, auf mich zu achten – ohne mich zu verurteilen.
Schenke mir Menschen, die mich begleiten.
Und gib mir die Kraft, heute einfach den nächsten kleinen Schritt zu gehen.
Bleib bei mir, wenn die Kraft nachlässt.
Und erinnere mich daran: Ich bin dein geliebtes Kind – so wie ich bin.
Amen.
Segen
Der Herr segne dich,
wenn du dich fragst, wie du mit dieser Krankheit leben kannst.
Er gebe dir die Kraft, mit ihr zu leben – nicht gegen dich.
Der Herr segne deine Füße, dass sie dich tragen.
Deine Hände, dass sie dich umsorgen.
Dein Herz, dass es Hoffnung bewahrt.
Und der Friede Gottes, der größer ist als jede Diagnose,
bewahre dich in Jesus Christus.
Heute, morgen – und auf deinem Weg.
Amen.
