300 Jahre Wegekreuz bei Uhler: Zeichen der sichtbaren Einheit

Ökumenisches Fest mit Bischof Stephan Ackermann und Präses Thorsten Latzel

Präses Thorsten Latzel (links) und Bischof Stephan Ackermann beim Wegekreuz zwischen Kastellaun und Uhler. Foto: © Dieter Junker
Präses Thorsten Latzel (links) und Bischof Stephan Ackermann beim Wegekreuz zwischen Kastellaun und Uhler. Foto: © Dieter Junker

9.06.2026

 

Am Wegekreuz zwischen Uhler und Kastellaun feierten Katholiken und Protestanten gemeinsam einen ökumenischen Gottesdienst – mit klarer Botschaft der Versöhnung.

 

(Uhler/Kastellaun/bt/sb) – Am Wegekreuz zwischen Kastellaun und Uhler haben am 7. Juni evangelische und katholische Christen gemeinsam mit dem Trierer Bischof Stephan Ackermann und dem Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Thorsten Latzel, ökumenischen Gottesdienst gefeiert. Dort, wo vor 300 Jahren erstmals ein Kreuz aufgestellt wurde, was für viele Jahre zu Streit zwischen den christlichen Konfessionen führen sollte, sangen und beteten rund 200 Katholiken und Protestanten gemeinsam als Zeichen ökumenischer Verbundenheit. Musikalisch umrahmt wurde der Gottesdienst vom Posaunenchor Kastellaun-Uhler. 

 

Latzel betonte, es sei ein wichtiges Fest und „ein schöner Tag, denn heute wollen wir keine Kreuze mehr absägen, sondern wir sind gemeinsam auf dem Weg aufeinander zu.“ Das bekräftigte auch Bischof Ackermann. „Was einmal Zeichen der Abgrenzung war, hat sich jetzt zu einem Weg sichtbarer Einheit entwickelt. Denn Jesus verbindet uns alle.“ Pfarrerin Frauke Flöth-Paulus von der evangelischen Kirchengemeinde Zehn Türme freute sich, dass sich von Uhler und Kastellaun aus so viele Christen gemeinsam auf den Weg gemacht hatten. Ihr katholischer Kollege Kaplan Christian Jager von der Pfarrei Kreuzauffindung Kastellaun vermutete, dass auch vor 300 Jahren viele Menschen zur Errichtung des Kreuzes durch katholische Bürger aus Kastellaun gekommen seien. Die Freude habe jedoch nicht lange angehalten, denn schon wenige Tage später zersägten Protestanten das Kreuz wieder. Es begann ein jahrelanger Streit zwischen protestantischen und katholischen Landesherren, die ihren Bürgern immer wieder das Aufstellen oder Entfernen des Kreuzes befahlen. Erst in den vergangenen Jahrzehnten sei Friede eingekehrt, so Jager. Heute stünden Katholiken und Protestanten gemeinsam am Kreuz und feierten zusammen „den, der unsere gemeinsame Mitte ist: Den dreieinigen Gott“.  

 

 

„Heute sind wir doch ein großes Stück weiter als vor 300 Jahren“, sagte Bischof Ackermann. Dass ein Kreuz zersägt werde, sei unglaublich. Doch damals sei es um Machtansprüche gegangen und darum, Plätze zu besetzen. „Wir haben gelernt, dass Einheit nicht bedeutet, dass alle möglichst gleich und ohne Unterschiede sind, sondern dass es wichtig ist, diese Verschiedenheiten zu respektieren und den Reichtum der anderen zu erkennen.“ Das unterstützte auch Präses Latzel. „Wir sind Leib Christi. Als Christen müssen wir nicht eins werden, wir sind es schon. Eingebunden in eine große Gemeinschaft mit anderen.“ Natürlich gebe es Unterschiede. Er schätze vieles an der katholischen Kirche, etwa die reiche Liturgie oder Ausdrucksformen des Glaubens wie etwa Prozessionen. Genauso freue er sich über Schätze seiner Kirche wie die weiblichen Pfarrerinnen oder die Posaunenchöre. Er sei überzeugt, dass die beiden christlichen Konfessionen sich gegenseitig bereichern. Allerdings könne in der Ökumene noch „eine Schippe draufgelegt“ werden. Es gehe darum, Gemeinsamkeiten noch sichtbarer zu machen, war er sich mit Bischof Ackermann einig. „Dieses Kreuz kann wirklich ein Ort der Einkehr, der ökumenischen Gemeinschaft und des gemeinsamen Gebetes werden, der auch Beachtung findet.“