Als wir die Tür öffneten – von und mit Gert Holle
Manchmal beginnt alles
mit einem Ton.
Mit einer Melodie, die etwas in uns berührt,
das lange still war.
Und plötzlich ist sie wieder da,
diese andere Zeit.
Als wir jung waren.
Als wir die Tür öffneten
und hinausgingen.
Die Welt war größer als unser Zimmer,
größer als Bücher und Schallplatten,
größer als das, was wir bis dahin kannten.
Ein Kinosaal wurde zum Fenster in ferne Welten.
Ein Teller mit fremdem Essen
zum Versprechen:
Es gibt mehr, als du dir vorstellen kannst.
Wir gingen nicht allein.
Freunde waren da.
Gemeinsames Staunen.
Gemeinsames Lachen.
Wir sangen, wir diskutierten,
wir lebten mit offenem Gesicht dem Tag entgegen.
Die Sonne schien nicht immer –
aber sie schien oft genug,
um an morgen zu glauben.
„Alles hat seine Zeit“,
sagt die Weisheit der Bibel.
Eine Zeit, hinauszugehen.
Eine Zeit, aufzubrechen.
Eine Zeit, die Welt nicht zu erklären,
sondern zu entdecken.
Damals fragten wir nicht,
wie alt wir werden würden.
Wir fragten,
wie wir leben wollten.
Doch schon am Horizont
zogen Linien auf.
Ost und West.
Schwarz und Weiß.
Raketen, die Frieden versprachen
und Angst meinten.
Flüsse, die schwiegen,
weil sie vergiftet waren.
Ein Himmel, der verletzlich wurde.
Und trotzdem:
Wir glaubten.
Nicht blind,
aber beharrlich.
Vielleicht war es das,
was der Apostel Paulus meinte,
als er schrieb:
„Wir sehen jetzt durch einen Spiegel,
in einem dunklen Bild.“
Wir sahen nicht klar –
aber wir sahen genug,
um weiterzugehen.
Der Philosoph Ernst Bloch sprach
von Hoffnung als einer Kraft,
die nach vorne zieht.
Nicht weil alles gut ist,
sondern weil es gut werden kann.
Diese Hoffnung trug uns.
Sie ließ uns fragen, widersprechen,
uns engagieren, uns einmischen.
Sie machte uns unruhig
– im besten Sinne.
Jesus erzählt von einer Tür.
Nicht von einer, die abschließt,
sondern von einer, die öffnet.
„Ich bin die Tür“, sagt er.
Wer hindurchgeht,
tritt nicht aus der Welt heraus,
sondern tiefer in sie hinein.
Mit offenen Augen.
Mit wachem Herzen.
Heute, viele Jahre später,
blicken wir zurück.
Nicht, um dort zu bleiben.
Sondern um zu verstehen,
wer wir geworden sind.
Wir merken:
Wir wollten, dass es besser wird –
obwohl es uns schon gut ging.
Vielleicht war das kein Fehler.
Vielleicht war es ein Auftrag.
Denn Erinnerung ist nicht Flucht.
Erinnerung ist Wurzel.
Und nur wer Wurzeln hat,
kann sich vom Wind bewegen lassen,
ohne umzufallen.
Die Tür von damals
steht nicht mehr dort,
wo sie einmal war.
Aber sie lebt in uns weiter.
Jedes Mal, wenn wir uns trauen,
neu hinauszugehen.
Jedes Mal, wenn wir Hoffnung wagen,
obwohl Wolken da sind.
Vielleicht ist das das Geheimnis:
Dass Gott nicht nur am Anfang unserer Wege steht,
sondern in jeder Schwelle.
In jedem Schritt.
In jedem Lied,
das uns erinnert.
Gebet
Gott des Anfangs und der Erinnerung,
du hast uns hinausgerufen
aus engen Räumen
in ein weites Leben.
Wir danken dir für die Zeit unserer Jugend:
für Freundschaften, die getragen haben,
für Träume, die größer waren als wir selbst,
für den Mut, Fragen zu stellen.
Vergib uns, wo wir müde geworden sind.
Und bewahre in uns
die Hoffnung, die nicht aufgibt,
den Glauben, der weiterfragt,
und die Liebe, die sich einmischt.
Öffne uns die Türen,
die heute vor uns stehen.
Und geh mit uns,
wenn wir hindurchgehen.
Amen.
Segen
Gott segne dich
mit der Kraft der Erinnerung
und mit der Freiheit des Aufbruchs.
Er lege in dein Herz
die Zuversicht,
dass kein Weg umsonst war
und kein neuer Weg vergeblich ist.
So begleite dich
der Gott des Lebens,
der dich gerufen hat,
der mit dir geht
und der dir Zukunft schenkt.
Im Namen des Vaters
und des Sohnes
und des Heiligen Geistes.
Amen.
“When the Door Was Open”
Verse 1
We were young, we were wide-eyed
Stepping out into the light
From quiet rooms and paper dreams
Into streets that felt alive
First time shadows on a silver screen
A barbarian king, larger than life
We didn’t know we were changing
We were just breathing it in
Verse 2
Neon signs and foreign flavors
Chopsticks, laughter, red wine stains
A slice of heaven late at night
At the corner Italian place
Every sound was a revelation
Every face a brand-new start
We thought the world was waiting
Just for us, just where we were
Pre-Chorus
We didn’t count the years
We didn’t fear the fall
We were standing in the summer
With our backs against the wall
Chorus
When the door was open
And the sky was wide and blue
When the days were made of sunlight
And the nights just drifted through
We were running without knowing
How fast the time would move
Oh, we were endless in those moments
When the door was open to the truth
Verse 3
Far away the clouds were forming
East and West, a loaded line
Sirens in the news at midnight
Names like fire, steel, and time
Rivers burning, skies in danger
Ozone tears above our heads
But we sang about tomorrow
Like it wasn’t borrowed yet
Pre-Chorus 2
We believed in better answers
We believed in what we’d say
We were loud with all our questions
We were not afraid
Chorus
When the door was open
And the world was on our side
When we talked about forever
Like it had no other side
We were holding onto dreams
We already lived inside
Oh, we were rich without the knowing
In the days we didn’t try to hide
Bridge
I can feel it when I close my eyes
That reckless, hopeful calm
We wanted more than we were given
Though we already had it all
We thought the future owed us something
Maybe we were right somehow
’Cause it still lives inside the echo
Of who we were back then and now
Break (soft, held notes)
Oooh — we were young
Oooh — we were free
Oooh — we were standing
At the edge of everything
Final Chorus
When the door was open
And we stepped into the sun
With our fears still far behind us
And our lives just begun
If I could hold one moment
Let it stay just as it was
I’d go back to that first heartbeat
When the door was open
And we walked out
Just because
Outro
Yeah, it’s been a long, long time
Since we opened up that door
But every time I sing it
I remember who we were
(Lyrics & Music by Gert Holle – 9.02.2026)
„Als die Tür offen war“
Strophe 1
Wir waren jung, wir waren voller Neugier
Wir traten hinaus ins Licht
Aus stillen Zimmern und papierenen Träumen
Auf Straßen, die lebendig wirkten
Das erste Mal Schatten auf einer Leinwand
Ein barbarischer König, größer als das Leben
Wir wussten nicht, dass wir uns veränderten
Wir atmeten es einfach ein
Strophe 2
Neonreklamen und fremde Aromen
Essstäbchen, Gelächter, Rotweinflecken
Ein Stück Himmel spät in der Nacht
In dem italienischen Lokal an der Ecke
Jedes Geräusch war eine Offenbarung
Jedes Gesicht ein brandneuer Anfang
Wir dachten, die Welt würde warten
Nur auf uns, genau dort, wo wir waren
Pre-Chorus
Wir zählten die Jahre nicht
Wir fürchteten den Fall nicht
Wir standen im Sommer
Mit dem Rücken zur Wand
Refrain
Als die Tür offen war
Und der Himmel weit und blau
Als die Tage aus Sonnenlicht bestanden
Und die Nächte einfach vorbeizogen
Liefen wir, ohne zu wissen
Wie schnell die Zeit vergehen würde
Oh, wir waren endlos in diesen Momenten
Als die Tür zur Wahrheit offen war
Strophe 3
Weit entfernt bildeten sich Wolken
Im Osten und Westen, eine dichte Linie
Sirenen in den Nachrichten um Mitternacht
Namen wie Feuer, Stahl und Zeit
Flüsse brannten, der Himmel war in Gefahr
Ozonlöcher über unseren Köpfen
Aber wir sangen von morgen
Als wäre es noch nicht ausgeliehen
Pre-Chorus 2
Wir glaubten an bessere Antworten
Wir glaubten an das, was wir sagten
Wir waren laut mit all unseren Fragen
Wir hatten keine Angst
Refrain
Als die Tür offen war
Und die Welt auf unserer Seite stand
Als wir über die Ewigkeit sprachen
Als gäbe es keine andere Seite
Hielten wir an Träumen fest
Die wir bereits in uns trugen
Oh, wir waren reich, ohne es zu wissen
In den Tagen, in denen wir nicht versuchten, uns zu verstecken
Bridge
Ich kann es spüren, wenn ich meine Augen schließe
Diese rücksichtslos hoffnungsvolle Ruhe
Wir wollten mehr, als uns gegeben wurde
Obwohl wir bereits alles hatten
Wir dachten, die Zukunft schulde uns etwas
Vielleicht hatten wir irgendwie recht
Denn es lebt immer noch im Echo
Von dem, wer wir damals und heute waren
Oooh – wir waren jung
Oooh – wir waren frei
Oooh – wir standen
Am Rande von allem
Schlusschor
Als die Tür offen war
Und wir in die Sonne traten
Mit unseren Ängsten noch weit hinter uns
Und unserem Leben gerade erst begonnen
Wenn ich einen Moment festhalten könnte
Lass ihn so bleiben, wie er war
Ich würde zu diesem ersten Herzschlag zurückkehren
Als die Tür offen war
Und wir hinausgingen
Einfach so
Outro
Ja, es ist lange, lange her
Seit wir diese Tür geöffnet haben
Aber jedes Mal, wenn ich es singe
Erinnere ich mich daran, wer wir waren
Autor: Gert Holle - 9.02.2026
