
1.06.2026
(Basel/ffw) - Die Fondation Franz Weber (FFW) nimmt die Ankunft von drei neuen Elefanten im Zoo Basel mit grosser Besorgnis zur Kenntnis. Während Zoos solche Transfers als Form eines «wissenschaftlichen Populationsmanagements» darstellen, sieht die Realität anders aus: Das europäische Zoosystem hält weiterhin Elefanten in Gefangenschaft und züchtet sie weiter, ohne echten Nutzen für die Art oder ihren natürlichen Lebensraum.
Erst vor wenigen Wochen wurden die beiden Basler Elefantenkühe Maya und Rosy voneinander getrennt und in zwei verschiedene französische Zoos gebracht. Sechs Wochen nach ihrem Weggang trifft bereits eine neue Elefantengruppe in Basel ein. Diese «Austausche» von Elefanten quer durch Europa zeigen exemplarisch die Logik des Systems: Tiere werden wie Bestandteile eines Zucht- und Haltungssystems von Zoo zu Zoo verschoben, unabhängig davon, was dies für das einzelne Tier bedeutet.
Die Zoos verstecken sich dabei hinter den Programmen der EAZA (European Association of Zoos and Aquaria), welche Vorgaben macht und Zucht, Transfers sowie Gruppenzusammensetzungen koordiniert. Ziel ist weder der Schutz wildlebender Elefanten noch die Verbesserung des Wohlbefindens von Tieren in Gefangenschaft, sondern die Fortführung der Gefangenschaft zur menschlichen Unterhaltung.
Dabei gibt es heute genügend wissenschaftliche Studien, die belegen, dass Elefanten nicht für ein Leben im Zoo geschaffen sind. Es handelt sich um hochsoziale, intelligente und weit wandernde Tiere, die in komplexen Familienstrukturen leben.
Der renommierte Elefantenbiologe Dr. Keith Lindsay kritisiert denn auch die Begründung für den Transfer der Elefantin Tika und ihrer Töchter nach Basel scharf. Laut den Zoos soll die 18-jährige Tika in einen Dominanzkonflikt mit ihrer Mutter geraten sein. Eine Behauptung, die dem natürlichen Verhalten wildlebender Elefanten fundamental widerspricht. In freier Wildbahn bleiben Töchter in der Regel über Jahrzehnte, oft lebenslang, eng mit ihrer Mutter und ihrer Familiengruppe verbunden. Wenn es überhaupt zu Trennungen kommt, erfolgen diese schrittweise und friedlich. Und in einem deutlich höheren Alter als jenem von Tika.
Dr. Keith Lindsay weist zudem darauf hin, dass solche Spannungen vor allem unter künstlichen Bedingungen in Gefangenschaft entstehen: begrenzter Raum, fehlende Ausweichmöglichkeiten und künstlich zusammengesetzte Gruppen. Zoos verwendeten laut Lindsay häufig Begriffe wie «dominantes Weibchen» oder «starker Charakter», um Entscheidungen wissenschaftlich erscheinen zu lassen, obwohl diese in Wirklichkeit wenig mit dem natürlichen Verhalten wildlebender Elefanten zu tun hätten. Dass sich der Zoo Wuppertal von drei seiner sechs Elefanten trennen musste, liegt schlicht daran, dass er Umbauarbeiten an der Anlage beschlossen hat. Nicht mehr und nicht weniger.
Trotzdem rechtfertigen Zoos ihre Zuchtprogramme weiterhin mit dem Argument des «Arterhalts». Doch ein Elefant, der seit Generationen in Gefangenschaft lebt, schützt weder die Savannen noch die Wälder Afrikas. Er bekämpft weder Wilderei noch Lebensraumzerstörung. Was diese Programme in erster Linie erhalten, ist das System Zoo selbst. Die finanziellen Beiträge der Zoos an sogenannte in-situ-Projekte, also Schutzprojekte im natürlichen Lebensraum der Tiere, bleiben äusserst bescheiden, insbesondere im Vergleich zu den Einnahmen dieser Institutionen und den Millionenbeträgen, die in neue Anlagen investiert werden.
Ein Elefant im Zoo zieht Publikum an, generiert Einnahmen und befriedigt den menschlichen Wunsch, einen Elefanten sehen zu wollen. Doch der Wunsch, Wildtiere zu beobachten, ist weder ein Recht noch eine ausreichende Rechtfertigung dafür, derart intelligente und sensible Lebewesen ein Leben lang in Gefangenschaft zu halten.
Die FFW setzt sich seit Jahren für den Schutz der Elefanten in ihren natürlichen Lebensräumen ein. Bezüglich der in Gefangenschaft gehaltenen Elefanten fordert die FFW eine schrittweise Überführung der Tiere aus Zoos in grossflächige Schutzgebiete oder Reservate, die ihren Bedürfnissen besser entsprechen, sowie ein sofortiges Ende sämtlicher Zuchtprogramme in Gefangenschaft.
Die Zukunft der Elefanten entscheidet sich nicht hinter den Gittern von Zoos, sondern im Schutz ihrer natürlichen Lebensräume und der Populationen, die dort noch in Freiheit leben.
Fondation Franz Weber, ein Begriff für effizienten Tier- und Naturschutz seit 1975.
