
29.05.2026
Die Temperaturen kamen vehementen Schrittes und im zügigen Crescendo des Thermometers in sommerliche Sphären. Verändern diese naturgegebenen Parameter und Ingredienzen eigentlich unsere Kommunikation?
Dass sich unsere Stimmung mit den Jahreszeiten verändert, ist soweit bekannt. Weniger offensichtlich ist jedoch, dass sich tatsächlich auch unsere Kommunikation subtil und messbar verändert. Forschungen aus Psychologie und Linguistik deuten darauf hin, dass Licht, Temperatur und soziale Aktivität einen spürbaren Einfluss darauf haben, wie Menschen sprechen, schreiben und miteinander umgehen.
Im Winter ziehen sich viele Menschen stärker zurück. Weniger Tageslicht beeinflusst Schlafrhythmus, Energielevel und Stressverarbeitung. Gespräche werden häufig kürzer, funktionaler und nüchterner. In Büros zeigt sich dies etwa durch sachlichere E-Mails, weniger Smalltalk und eine stärkere Verlagerung in digitale Kommunikation. Studien zu Kommunikationsdaten belegen zudem, dass soziale Netzwerke in den Wintermonaten kleiner und enger werden: Menschen kommunizieren häufiger mit vertrauten Kontakten als mit neuen Bekanntschaften.
Im Sommer zeigt sich oft das Gegenteil. Mehr Tageslicht und höhere Aktivität fördern Offenheit und Gesprächsbereitschaft. Sprache wird emotionaler, spontaner und sozialer. In sozialen Medien nehmen positive Begriffe, Freizeit- und Aktivitätswörter sowie Zukunftsformulierungen deutlich zu. Menschen reagieren schneller auf Nachrichten, Gespräche dauern länger und soziale Interaktionen werden vielfältiger.
Es zeigen sich saisonale Veränderungen in Emotionalität, Tonfall. Interessant ist dabei vor allem eines: Sprache spiegelt nicht nur unsere Gedanken wider, sondern auch unseren körperlichen und emotionalen Zustand. Jahreszeiten beeinflussen somit indirekt, wie wir Beziehungen gestalten, Konflikte austragen und Nähe herstellen. Das oft, ohne dass wir es bewusst bemerken….bis jetzt. Ich bin sicher, dass sie sich dessen nun wohl doch etwas bewusster geworden sind.
Studien zeigen, dass gerade im Sommer das Wetter auch in sachlichen Themen Einzug
hält, wie z.B.: „Herrlich heute, oder? Warst du schon draussen?“ «Man müsste eigentlich die Sitzung nach draussen verlegen» oder zu Beginn der Woche z.B. „Hoi zäme, ich hoffe, ihr konntet das
schöne Wetter übers Wochenende etwas geniessen».
Vielleicht verschieben Sie den nächsten Konflikt, der im Winter entsteht, einfach auf den kommenden Sommer. Kann funktionieren, muss aber nicht. Some like it hot!

Stefan Häseli ist Experte für glaubwürdige Kommunikation, Keynote-Speaker, Moderator und Autor mehrerer Bücher. Als ausgebildeter Schauspieler mit jahrelanger Bühnenerfahrung schreibt er ganze Abendprogramme selbst. Dazu kommen Engagements in Kinofilmen, TV-Serien, TV-Werbespots und Schulungsfilmen. Er betreibt ein Trainingsunternehmen in der Schweiz. Häseli ist mehrfach international ausgezeichneter Redner und Trainer. Die Kommunikation in ihren unterschiedlichen Welten und die Details in der Sprache faszinieren ihn und prägten seinen beruflichen Werdegang. Er begeistert in seinen Fachartikeln und Kolumnen mit feinsinnigem Humor. https://stefan-haeseli.com/.
Sein aktuelles Buch «Praxisbuch Krisenkommunikation» das er mit Marco Cortesi, dem ehemaligen Mediensprecher der Stadtpolizei Zürich geschrieben hat, ist Mitte Februar 2025 im Wiley-Verlag erschienen
Autor: Stefan Häseli; zusammengestellt von Gert Holle - 29.05.2026
