Paula Schulze und Hannes-Vincent Krause über Social Media und mentale Gesundheit

Podcast „Kopfsalat“: Social Media und mentale Gesundheit

20.03.2026

(Berlin/frnd) - Zwei neue Folgen des Podcasts „Kopfsalat“ sind erschienen. In der ersten Folge spricht Moderator Sven Haeusler mit der Instagram-Creatorin Paula Schulze (@flowmitpaula) über ihren Alltag auf Social Media, digitale Nähe und den Druck von Sichtbarkeit und Algorithmen. In der zweiten Folge geht es gemeinsam mit dem Psychologen Hannes-Vincent Krause um die Wirkung von Social Media auf die psychische Gesundheit – mit besonderem Blick auf junge Menschen.

  • Paula Schulze über ihre Arbeit als Instagram-Creatorin, digitale Nähe und den Druck von Algorithmen – zur Folge
  • Hannes-Vincent Krause über Social Media, psychische Gesundheit und die Bedeutung von Medienkompetenz – zur Folge 

 

Paula Schulze über ihre Arbeit als Instagram-Creatorin, digitale Nähe und den Druck von Algorithmen

Foto: Paula Schulze
Foto: Paula Schulze

In dieser Sonderfolge von „Kopfsalat“ spricht Moderator Sven Haeusler mit der Instagram-Creatorin Paula Schulze (flowmitpaula) über ihre Perspektiven auf Social Media. Die lizenzierte Personal Trainerin und studierte Physiotherapeutin begann ihren Account ursprünglich mit Videos aus ihrem beruflichen Alltag: „Ich hab am Anfang kleine Flows hochgeladen, also kleine Sportsequenzen.“  

Mit der Zeit entwickelte sich daraus jedoch mehr und ihr Account wuchs mit ihrem eigenen Leben mit. Heute teilt sie dort auch Gedanken zu Beziehungen, Mutterschaft, aber auch zu ihrer psychischen Gesundheit und Therapie.

Die alltäglichen Einblicke durch Creator:innen schaffen eine besondere Form digitaler Nähe. Viele Menschen verfolgen ihren Alltag über Jahre hinweg und erleben ihre Gedanken und Erfahrungen mit, obwohl sie sich im echten Leben gar nicht kennen. „Man ist schon ein bisschen wie so eine digitale Freundin“, beschreibt es Paula. Obwohl sie nur Ausschnitte aus ihrem Leben teilt, komme es über Nachrichten immer wieder zu intensivem Austausch – auch über Themen, die in realen Freundschaften vielleicht nicht sofort angesprochen werden. Paula beschreibt, wie selbstverständlich solche Beziehungen auf Social Media geworden sind und wie stark Privates und Öffentlichkeit ineinander übergehen. 

Dabei spielen zudem strukturelle Mechanismen eine Rolle: Wer Inhalte beruflich teilt, bewegt sich immer auch im Rhythmus von Werbung, Reichweite, Zahlen und Sichtbarkeit. „Der Algorithmus will ja, dass man die ganze Zeit online ist“, sagt sie. Das setze auch sie unter Druck. Das „Richtige“ zu posten und nicht anzuecken, kann zudem auch psychisch belastend sein. Trotzdem arbeitet sie bewusst ohne festen Plan und vermutet, dass diese Haltung auch für ihre Follower:innen spürbar ist.

 

Hannes-Vincent Krause über Social Media, psychische Gesundheit und die Bedeutung von Medienkompetenz

Foto: Hannes-Vincent Krause
Foto: Hannes-Vincent Krause

In dieser Sonderfolge von „Kopfsalat“ spricht Moderator Sven Haeusler mit dem Psychologen und Wirtschaftsinformatiker Hannes-Vincent Krause über die Auswirkungen von Social Media auf die psychische Gesundheit junger Menschen. Der Postdoc am Weizenbaum-Institut forscht zum Zusammenspiel von digitalen Plattformen und psychologischen Prozessen und beschäftigt sich mit der Frage, wie soziale Medien auf Wohlbefinden, Selbstwert und gesellschaftliches Miteinander wirken. 

Im Gespräch beschreibt der Psychologe Social Media zunächst als einen Raum, in dem grundlegende soziale Prozesse stattfinden: „Social Media ist einfach ein Abbild von sozialer Realität, mit all seinen Prozessen, mit all seinen Risiken und mit all seinen Benefits.”

Kinder und Jugendliche sind sowohl in der realen als auch digitalen Realität eine vulnerable Gruppe, deren Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist und die besonders stark von sozialen Informationen beeinflusst werden kann. Gleichzeitig macht er deutlich, dass die wissenschaftliche Lage komplex sei und einfache Erklärungen oft zu kurz greifen: „Das Ding ist aber, die Rechnung ist leider nicht so einfach.“

Ein Risiko sieht er in der Funktionsweise der Plattformen selbst. Diese seien darauf ausgelegt, Aufmerksamkeit zu binden und Nutzung zu verlängern. Die Folge können Druck, Kontrollverlust oder das Vernachlässigen anderer wichtiger Bereiche sein.

Trotzdem warnt Hannes-Vincent Krause vor vorschnellen Lösungen wie pauschalen Verboten und plädiert stattdessen für einen differenzierten Umgang mit digitalen Medien: „Wir brauchen Lösungen, die ein bisschen mehr erfordern, als zu sagen, wir sperren jetzt einfach Kinder und Jugendliche aus und dann hat sich das Problem erledigt.“

Im Zentrum stehen für ihn Medienkompetenz, Aufklärung und eine stärkere Verantwortung von Plattformbetreiber*innen. Gleichzeitig betont er, dass soziale Medien auch Chancen bieten – etwa für Austausch, Orientierung und Zugehörigkeit. Entscheidend sei ein reflektierter Umgang, der Risiken ernst nimmt, ohne die positiven Aspekte aus dem Blick zu verlieren.

Die zwei Folgen zu Social Media und psychischer Gesundheit werden durch Kolsquare gefördert.

Über Kopfsalat

Der Freunde fürs Leben-Podcast Kopfsalat erscheint zweimal monatlich und ist auf frnd.de sowie auf den gängigen Podcast-Plattformen wie Apple Podcasts, Spotify, Deezer und RTL+ abrufbar. Die Sonderedition Einsamkeit wird von der KKH Kaufmännische Krankenkasse gefördert. Der Moderator ist Filmemacher und Journalist Sven Haeusler.

Seit 2001 klärt der gemeinnützige Verein Freunde fürs Leben e.V. Jugendliche und junge Erwachsene über mentale Gesundheit, Depression und Suizid auf. Denn durch gezielte Informationsvermittlung über Warnsignale, Hilfsadressen und Therapiemöglichkeiten ist Suizidprävention möglich.


Autor: Freunde fürs Leben e.V.; zusammengestellt von Gert Holle - 20.03.2026