Anna-Lena von Hodenberg über Hass im Netz – Podcast „Kopfsalat“

22.11.2025

 

 

In zwei neuen Folgen des Podcasts „Kopfsalat“ dreht sich alles um Hass im Netz: wie er entsteht, warum er Betroffene so belastet und was wir als Gesellschaft dagegen tun können. In der ersten Folge spricht Moderator Sven Haeusler mit HateAid-Mitgründerin Anna-Lena von Hodenberg über die psychischen Auswirkungen digitaler Gewalt, warum unsere Psyche nicht zwischen analoger und digitaler Bedrohung unterscheidet und weshalb besonders junge Menschen gefährdet sind. In der zweiten Folge tauchen die beiden tiefer in die systematischen Hintergründe ein: Anna-Lena von Hodenberg erklärt, wie Desinformation, digitale Angriffe und KI-gestützte Deepfakes unsere Öffentlichkeit verändern, warum insbesondere rechtsextreme Akteure davon profitieren und wieso sie trotz aller Herausforderungen optimistisch in die Zukunft blickt.

22.11.2025

 

 

  • Anna-Lena von Hodenberg von HateAid über digitalen Hass, Zivilcourage und Schutz im Netz – zur Folge
  • Anna-Lena von Hodenberg über Desinformation, Macht von Social-Media-Plattformen und Zuversicht – zur Folge

Anna-Lena von Hodenberg von HateAid über digitalen Hass, Zivilcourage und Schutz im Netz

 



In dieser Folge von „Kopfsalat“ spricht Moderator Sven Haeusler mit der Journalistin und HateAid-Mitgründerin Anna-Lena von Hodenberg darüber, wie sich Hass im Netz anfühlt und warum er weit mehr ist als „nur was im Internet“. Wer online attackiert wird, erlebe realen Stress, reale Angst, reale Grenzverletzung. Unsere Psyche unterscheidet nicht zwischen analoger und digitaler Gewalterfahrung.  

Anna-Lena schildert, welche Spuren digitale Gewalt hinterlassen kann: angefangen bei Schlafstörungen, Migräne und Magen-Darm-Beschwerden bis hin zu depressiven Verstimmungen und – bei massiven Angriffen – posttraumatischen Belastungsstörungen. Besonders verletzlich seien Kinder und Jugendliche: Mit 13 oder 14 Jahren fehlen oft Distanz und Abgrenzung. „Hier sehen wir die gravierendsten Folgen“, sagt die Mitgründerin von HateAid. Gleichzeitig wirkt Hass im Netz auf uns alle. Wer miterlebt, wie andere öffentlich niedergemacht werden, schweigt beim nächsten Mal vielleicht, mit Folgen für Meinungsfreiheit und Demokratie.

HateAid unterstützt Betroffene niedrigschwellig, mit emotionaler Ersthilfe, Sicherheitsberatung, rechtssicheren Screenshots und, wo nötig, Prozesskosten­finanzierung. Zugleich treibt die Organisation Grundsatzverfahren gegen Plattformen voran, damit digitale Räume nicht länger Algorithmen überlassen bleiben, die Hass, Lügen und Desinformation belohnen. HateAid macht Mut, strukturell anzusetzen und Einzelne nicht allein zu lassen. 

Ganz konkret gibt Anna-Lena von Hodenberg die klare Handlungsanleitung, sich selbst ernst zu nehmen, zu dokumentieren, nicht allein zu bleiben. lllegale Inhalte sollten angezeigt werden, notfalls online bei der Polizei. Auch Unbetroffene könnten Zivilcourage zeigen, ohne in eine Endlos-Debatte zu geraten und der betroffenen Person direkt beistehen.

Anna-Lena von Hodenberg über Desinformation, Macht von Social-Media-Plattformen und Zuversicht

 

 


In der zweiten Folge „Kopfsalat“ zum Thema Hass im Netz spricht HateAid-Mitgründerin Anna-Lena von Hodenberg mit Moderator Sven Haeusler darüber, wie Social-Media-Plattformen unsere politische Öffentlichkeit und zunehmend auch unser psychisches Wohlbefinden beeinflussen. Die beiden tauchen in die systematischen Hintergründe digitaler Gewalt und diskutieren, warum rechtsextreme Akteure, radikale Gruppen und Big-Tech-Unternehmen gleichermaßen von einem digitalen Klima profitieren, das Empörung, Angst und Überforderung begünstigt. 

Anna-Lena von Hodenberg beschreibt, wie sich unser Medienkonsum „grundlegend geändert“ habe. Heute entscheiden Algorithmen darüber, was ein Großteil der Bevölkerung an Nachrichten konsumiert und belohnen Inhalte, die starke Emotionen auslösen. Digitale Gewalt und Desinformation würden dadurch verstärkt, was für viele Menschen einen Dauerzustand aus Stress, Erschöpfung und Kontrollverlust schaffe.

Doch neben ökonomischen Interessen spielen politische Motive eine zentrale Rolle. Laut HateAid setzen insbesondere rechtsextremistische und rechtsradikale Akteure digitale Angriffe strategisch ein, um Journalist:innen, Politiker:innen und Aktivist:innen einzuschüchtern und aus der Öffentlichkeit zu verdrängen. Mit dem Aufkommen von KI-gestützten Deepfakes, darunter gefälschte Stimmen, Bilder und Videos, wächst diese Gefahr weiter. Manipulation wird einfacher, persönlicher und psychisch belastender für die Betroffenen.

Anna-Lena von Hodenberg betont, wie sehr diese Dynamiken unseren Alltag prägen: eine unter Druck stehende Medienlandschaft, Talkshows ohne Live-Faktenchecks und eine gesellschaftliche Stimmung, die sich zunehmend „aufgeregt, nervös, aggressiv“ anfühlt. Dabei ist es leicht, in diesem Lärm die Orientierung zu verlieren – eine stressbedingte Reaktion, die unsere mentale Resilienz schwächt.

Trotz dieser Entwicklungen blickt Anna-Lena von Hodenberg optimistisch in die Zukunft. Sie setzt auf Regulierung, bessere technische Standards, eine starke Zivilgesellschaft und hat Zuversicht, dass wir digitale Räume so gestalten können, dass sie Menschen schützen statt verletzen.


Über Kopfsalat
Der Freunde fürs Leben-Podcast Kopfsalat erscheint zweimal monatlich und ist auf frnd.de sowie auf den gängigen Podcast-Plattformen wie Apple Podcasts, Spotify, Deezer und RTL+ abrufbar. Die Sonderedition Einsamkeit wird von der KKH Kaufmännische Krankenkasse gefördert. Der Moderator ist Filmemacher und Journalist Sven Haeusler.

Seit 2001 klärt der gemeinnützige Verein Freunde fürs Leben e.V. Jugendliche und junge Erwachsene über mentale Gesundheit, Depression und Suizid auf. Denn durch gezielte Informationsvermittlung über Warnsignale, Hilfsadressen und Therapiemöglichkeiten ist Suizidprävention möglich.