Der Generalsekretär des Bonifatiuswerkes, Monsignore Georg Austen, spricht im Interview über den Umgang mit dem Scheitern, die Vorbereitung auf die Erstkommunion sowie die diesjährige Erstkommunionaktion des Bonifatiuswerkes. Das Interview führte Simon Helmers.
Das diesjährige Leitwort zur Erstkommunionaktion des Bonifatiuswerkes heißt: „Kommt her und esst!“. Was sagt die Einladung Jesu für die Erstkommunionkinder aus?
Monsignore Georg Austen: Diese Worte Jesu sind eine Einladung an seine Jünger, sich als (Mahl-)Gemeinschaft zu erleben. Das Angebot richtete sich nicht nur damals an die Jünger, sondern ist für uns das Fundament jeder Eucharistiefeier. Das gemeinsame Mahl ist für uns Christen weit mehr als eine bloße Nahrungsaufnahme. Vor allem in der Eucharistiefeier wird deutlich, dass sich hier Begegnung zwischen Gott und Mensch zeigt. „Kommt her und esst!“ als Leitwort der Erstkommunionaktion sagt aus, dass die Kinder eingeladen sind, Gott in besonderer Art und Weise zu begegnen, wenn Jesus in den Gaben von Brot und Wein mitten unter uns ist. Es sagt aus, dass Jesus Christus sie auf den Wegen ihres Lebens, bei Erfolgen und Misserfolgen, begleitet. Erstkommunionkinder bejahen, dass sie Teil der Gemeinschaft sein wollen und werden mit dem Empfang der Erstkommunion in intensiverer Weise Teil der Gemeinde.
Im Mottolied „Kommt her und esst!“ zur Erstkommunionaktion singt man „Leider bleibt an manchen Tagen ein ganz großer Fang wohl aus. Doch es nützt kein Jammerklagen, kommt und werft die Netze aus.“. Übertragen in den seelsorglichen Alltag unserer Gemeinden und im persönlichen Leben: Was bedeutet das für den Umgang mit Erfahrungen des Scheiterns?
Monsignore Georg Austen: Für den Alltag in unseren Gemeinden und unser persönliches Leben heißt das: Nicht entmutigen lassen, wenn ein Vorhaben nicht gelingt. Bei Misserfolgen ist man geneigt, den Kopf in den Sand zu stecken, sich klein zu reden, sich die Schuld zu geben. Das macht die Situation aber nicht besser. Jesus ermuntert uns, nicht aufzugeben. Er ermutigt uns, andere oder neue Wege zu begehen, um zu einem gelingenden Leben zu kommen. Wir haben die Zusage: Er ist an unserer Seite und lässt uns nicht im Stich. Und das nicht nur im Gemeinde-Kontext, wenn wir im Sonntagsgottesdienst nur eine kleine Gemeinschaft erleben. Vielleicht sehen wir uns dann als eine Art der Stellvertretung im Gebet füreinander – auch für die Menschen, die nicht kommen können oder wollen. Gerade in der Eucharistiefeier sind wir als Weltkirche, überall auf dem Globus, tiefer verbunden. Das ist doch ein tolles Geschenk. Auch im Privaten oder Beruflichem, wenn es mal nicht glatt läuft, können wir auf den Beistand Jesu vertrauen. In ihm können wir die Kraft finden, nach einem Rückschlag wieder aufzustehen.
Welche Chancen und Herausforderungen sehen Sie in der Erstkommunionvorbereitung für die Pastoral?
Monsignore Georg Austen: Die Vorbereitung auf die Erstkommunion ist für viele Kinder die erste intensive Begegnung mit den Inhalten unseres Glaubens sowie der Kirchengemeinde vor Ort. Die Erstkommunionvorbereitung lässt Kinder den Glauben auf kindgerechte Art und Weise erleben; sie bietet die Möglichkeit, die Erzählungen der Bibel in einem passenden Rahmen einzuordnen und legt so auch den Grundstein für einen zukunftsfähigen Glauben. Dass viele
Kinder mit der Erstkommunionvorbereitung auf diese Weise mit der Kirche in Berührung kommen, ist aber auch eine große Herausforderung: Da die Inhalte des Glaubens, die noch vor Jahren fast wie selbstverständlich vorausgesetzt werden konnten, nicht mehr allen bekannt sind, müssen wir heute neue und andere Formen der Glaubensbildung in neuen katechetischen Wegen angehen. Auch die Lebenskontexte der Kinder sind einzubeziehen; Familien, Eltern, Alleinerziehende, Paten oder Geschwister. Vor allem muss geschaut werden, welche Anknüpfungspunkte es für die Kinder nach dem Fest der Erstkommunion gibt.
Was wünschen Sie den Erstkommunionkindern jetzt und für ihren zukünftigen Lebensweg?
Monsignore Georg Austen: Ich wünsche den Erstkommunionkindern, dass sie die Erfahrung von tragenden und verlässlichen Beziehungen machen. Ich wünsche ihnen, dass sie das Evangelium als frohe Botschaft und Orientierung für ihr Leben entdecken und sich willkommen wissen in der Glaubensgemeinschaft.
Seit mehr als 100 Jahren sammeln die Erstkommunionkinder mit dem Leitwort: „Mithelfen durch Teilen“ für Projekte in der Diaspora. Was bewirken diese Gaben?
Monsignore Georg Austen: Auch dank der großartigen Solidarität der Erstkommunionkinder können wir in diesem Jahr mit mehr als 1,6 Millionen Euro zahlreiche Projekte der Kinder- und Jugendhilfe unterstützen. Das Bonifatiuswerk fördert zum Beispiel ambulante Kinderhospizdienste, Kinderdörfer, Wohngruppen für Kinder und Jugendliche mit Behinderung sowie Jugendsozialeinrichtungen. Unterstützt werden auch Gemeinschaft und Glaubensbildung während Religiöser Kinderwochen oder in katholischen Kitas. Der Glaube kann hier Hand und Fuß bekommen, wird also praktisch erfahrbar, und kann junge Menschen in ihrer Persönlichkeit für den eigenen Lebensweg stärken.
Was ist das diesjährige Beispielprojekt?
Monsignore Georg Austen: In diesem Jahr steht das „magda“ – ein Caritas-Jugendzentrum in Berlin – beispielhaft für die Projekte, die die Kinder- und Jugendhilfe des Bonifatiuswerkes unterstützt. Das „magda“ ist eine offene Freizeiteinrichtung. Dort kochen Jugendliche zwischen 12 und 27 Jahren nach dem Motto "Gemeinschaft statt Glotze" nach der Schule gemeinsam eine warme Mahlzeit. Das Kochprojekt ist ein Angebot für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche in Berlin-Lichtenberg, wo ein Drittel der dort lebenden Familien auf finanzielle Unterstützung angewiesen ist. Die Mitarbeiter haben zudem immer ein offenes Ohr für die jungen Menschen. Das „magda“ leistet somit wichtige karitative Arbeit in Lichtenberg.