Video über das Jugendzentrum "MAGDA"

Das Jugendzentrum MAGDA in Berlin ist für Kinder und Jugendliche da, die es oft nicht so einfach im Leben haben. "Das Essen ist ein sozialer Klebstoff", sagt die Einrichtungsleiterin Julia Endres. Gemeinsam mit den jungen Menschen wird regelmäßig gekocht und gegessen. Das schafft Gemeinschaft, genauso wie die Erstkommunion Gemeinschaft mit Gott schafft. Das MAGDA ist das Beispielprojekt zu unserer Erstkommunion-Aktion 2025. Das heißt, ihr könnt mit euren Geschenken zur Erstkommunion selbst Gutes tun und diese Einrichtung unterstützen.

Miteinander am Herd und Tisch

Reportage zum Beispielspendenprojekt zur Erstkommunion 2025

Das Jugendzentrum „magda“ in Berlin-Lichtenberg baut soziale Brücken durch gemeinsames Kochen und ist das Beispielprojekt der Erstkommunionaktion des Bonifatiuswerkes

 

Text und Bilder: Markus Nowak

 

Julia Endres trägt eine Beanie-Mütze, hält ein Stück Kreide in der Hand, zeichnet damit eine Tabelle an die Tafel hinter sich und blickt dann in die Runde von mehr als einem Dutzend Kindern und Jugendlichen. Keine schulischen Aufgaben stehen an, wenn nun Finger in die Höhe gehen. „Ich will einkaufen gehen“, ruft eine Stimme. „Ich kann beim Schneiden helfen“, eine andere und Endres schreibt die Namen zu den jeweiligen Stimmen in die Tabelle an der Tafel. „Wer hilft mit beim Aufräumen, da brauchen wir noch Leute“, fragt Endres in die Runde.

Der Nachmittag im „magda“ beginnt mit der Aufgabenverteilung, denn wie jeden Tag steht das gemeinsame Kochen an. „Für uns ist das Essen ein sozialer Klebstoff“, sagt Endres, die Leiterin des „magda“, während schon ein Teil der Gruppe zum Einkaufen in den Supermarkt gegangen ist. „Damit können wir mit den Kids gemeinsam eine Beziehung aufbauen.“ Das „magda“ ist ein Jugendzentrum der katholischen Caritas in Berlin-Lichtenberg und als solches eine offene Freizeiteinrichtung.

 

„Das bedeutet, Jugendliche können in ihrer Freizeit ganz ohne Anmeldung und ohne irgendeine Voraussetzung herkommen“, erklärt die studierte Sozialwissenschaftlerin. Vor Ort erwarten sie Kicker, Billard, ein Raum zum „Abhängen“, aber auch Betreuung bei Hausaufgaben oder Bewerbungen, in den Ferien verschiedene Ausflüge und eben eine warme Mahlzeit. Wobei das „magda“ kein Restaurant sei, wo die Kids etwas bestellen können und es fertig vorgesetzt bekommen, ergänzt Endres.

 

Kreative Küche im Jugendzentrum

„Unser Anspruch ist, dass wir gemeinsam machen. Denn gerade mit neuen Kids kann man durch das Kochen am allerleichtesten in Kontakt kommen“, weiß die Einrichtungsleiterin. „Eine Herausforderung ist es, etwas zu finden, worauf die Jugendlichen Lust haben.“ Denn das „Tagesmenü“ wird gemeinsam bestimmt. Was aber nicht bedeutet, dass täglich Pommes oder Pizza auf dem Plan stehen. Ausgewogene Ernährung sei eine Leitlinie, Gemüse – im Sommer aus dem eigenen „magda“-Garten – gehöre da schon auf den Teller, ergänzt Felix Scheel. Auch bei den Burgern, die heute gebraten werden.

 

Der Erzieher steht bereits mit Schürze an der Kochinsel, während eine Gruppe von Jugendlichen die eben eingekauften Lebensmittel verarbeitet: Der Salat wird gewaschen und Zwiebeln und Gurken in Scheiben geschnitten. Es geht auch darum, kochen zu lernen, sagt Scheel. „Dazu gehören aber auch Schneidekompetenzen oder woran man erkennt, dass bestimmte Dinge fertig sind. Wie lange man Nudeln kocht. Einfach, dass man gemeinsam diese Prozesse durchläuft“, ergänzt „magda“-Leiterin Endres.

 

Als das Gemüse und auch die Brötchen von den Jugendlichen geschnitten sind, kann das Braten beginnen. Dennoch dauert es seine Zeit, bis alle „Frikadellen“ einmal in der Pfanne waren und die Jugendlichen sich gemeinsam an den Tisch setzen können. Die Zeit, die vom Einkaufen über das Zubereiten bis hin zum fertigen Essen vergeht, habe auch eine pädagogische Funktion.

 

Pädagogische Aspekte und Teamarbeit in der Küche

„Uns geht es ja nicht nur darum, dass jemand, der Hunger hat, ihn gleich gestillt bekommt, sondern auch zu vermitteln, dass es auch mal länger dauern kann“, sagt Endres. Das bedeute, wenn jemand um 14 Uhr kommt und sich zum Essenmachen verpflichtet, dann muss er oder sie bis 18 Uhr oder länger bleiben, um auch am Tisch zu sitzen. Denn so lange dauere manchmal der gesamte Prozess. Hungrige Kinder seien keine Seltenheit im „magda“, sagt Endres. „Es ist nicht selbstverständlich, dass die Kids, wenn sie zu uns kommen, was gegessen haben oder eine Alternative haben, wo sie was essen können.“

 

In Lichtenberg leben viele einkommensschwache Menschen. Hier öffnete „magda“ 1997, damals noch zwischen hohen Plattenbauten in der Magdalenenstraße, seine Pforten. 2016 konnte die Einrichtung in einen modernen Holzbungalow ziehen, unweit von Flüchtlings- und Obdachlosenunterkünften. Lichtenberg ist ein sozialer Brennpunkt, berichtet Endres. Zwar gebe es hier alle Gesellschaftsschichten, aber eben auch viele mit sozialen und ökonomischen Schwierigkeiten. Auch ist der Anteil an Bürgergeld-Empfängern hoch, zahlreiche zerrüttete Familien und Alleinerziehende leben in den Plattenbauten des Ostberliner Bezirks.

 

Sozialer Ankerpunkt „magda“ im Brennpunkt Lichtenberg

Ihr Kollege Scheel veranschaulicht das Thema Kinderarmut: Gerade im Winter kommen manche „magda“-Jugendlichen mit ausgelatschten Schuhen oder löchrigen und kaputten Jacken, weil das Geld für eine Neuanschaffung fehle. „Ich war schockiert, manchmal kann man durch den löchrigen Schuh die Socken sehen“, sagt der Erzieher. Und so kämen viele Kinder mit großem Hunger in die Einrichtung, weil keine Pausenbrote geschmiert wurden oder zu Hause kein Geld für Schulessen da ist. „Manche Jugendliche kommen dann richtig blass zu uns“, beobachtet Scheel, während die ersten Burger-Bratlinge fertiggebraten sind und die Jugendlichen dann endlich ihre Burger mit Salat, Zwiebeln oder Gurken belegen.

 

Bei Arijana sind es zusätzlich Oliven, die auf den Burger kommen. Die Zwölfjährige lebt mit ihrer Mutter und dem Bruder unweit vom „magda“ und ist häufig in dem Jugendclub. „Ich mag es hier zu chillen, zu kickern oder einfach mal Quatsch zu machen“, sagt die Sechstklässlerin. Zu ihren Hobbys zählt sie das Kochen, sie schaut sich dann Youtube-Tutorials an und kocht Gerichte nach, sagt Arijana. Oft koche sie auch „so freestyle“. Die ein Jahr ältere 13-jährige Emily hört das trotz aufgesetzter Ohrhörer und nickt. Auch für sie ist Kochen eine ihrer Lieblingsbeschäftigungen, gerade auch, weil sie in einer therapeutischen Wohngruppe statt bei ihren Eltern wohnt. „Hier lernt man viele kleine Tricks, die ich nicht kannte“, sagt die Teenagerin. „Ich wusste nicht, dass man Kartoffeln in Salzwasser kocht oder welche Gewürze zu welchem Gericht passen.“

 

 

Das „magda“ sei ein „Freizeitort, in dem ich meine Leute treffe und, wenn ich will, über Probleme sprechen kann“, sagt sie und hat eine besondere Erfahrung durch das Kochen gemacht: Als sie sich mit ein paar Jugendlichen aus dem „magda“ nicht verstanden hat, sollte sie mit ihnen in der Gruppe kochen. „Dann fingen wir an, über alle möglichen Themen zu sprechen und merkten, dass wir viele Gemeinsamkeiten hatten“, sagt Emily. „Jetzt verstehen wir uns besser.“ Die Worte von „magda“-Leiterin Endres wurden Wirklichkeit: „Essen ist ein sozialer Klebstoff.“