„Kirchengemeinde eröffnet Horizont, den man so nicht im Alltag hat“

Interview mit Bischof Klas Krämer - Porträt von Dr. Klaus Krämer, Bischof von Rottenburg-Stuttgart

Foto: Diözese Rottenburg-Stuttgart/Jochen Wiedemann
Foto: Diözese Rottenburg-Stuttgart/Jochen Wiedemann

Der Bischof von Rottenburg-Stuttgart, Dr. Klaus Krämer, spricht im Interview über seine eigene Erstkommunion, die Rolle der Paten sowie die Erstkommunionaktion des Bonifatiuswerkes. Das Interview führte Simon Helmers.

 

Bischof Dr. Klaus Krämer, wie haben Sie Ihre eigene Erstkommunion in Erinnerung?

Bischof Dr. Klaus Krämer: Ich erinnere mich noch sehr gut an meine Erstkommunion. Das war 1972 in Waiblingen in der St.-Antonius-Kirche. Es war ein großes Familienfest, zu dem alle Verwandten kamen. Als Erstkommunikant stand ich das erste Mal im Mittelpunkt eines großen Festes – das war ein besonderes Erlebnis. Die Erstkommunion war für mich vor allem ein großes spirituelles Erlebnis. Ich hatte schon als Kind sehr aktiv am Gottesdienstleben der Gemeinde teilgenommen, war im Kinderchor und von daher hat es mir viel bedeutet, jetzt an der Eucharistie aktiv teilnehmen zu können. Kurz danach bin ich dann auch Ministrant geworden. Insgesamt eine sehr schöne Erinnerung.

 

Wie sieht die Vorbereitung auf die Erstkommunion aktuell in Ihrem Bistum aus?

Bischof Dr. Klaus Krämer: Wir haben im Jahr 2019 eine Leitlinie für Katechese und Sakramentenpastoral festgelegt. Wir fahren ein eher modulares Modell, das aus verschiedenen Komponenten besteht. Aus Gruppenstunden, die mit Gottesdiensten kombiniert werden, in der Regel auch mit Aktionen, in die häufig die Familien mit eingebunden sind. Es ist uns besonders wichtig, dass die Familien aktiv in die Vorbereitungen einbezogen werden. Es gibt von daher kein Standardprogramm, sondern das Programm wird nach den jeweiligen Möglichkeiten vor Ort konzipiert. Je nach dem, was die jeweiligen Familien der Erstkommunikanten ermöglichen können, und was von der Gemeinde her möglich ist.

 

Wo sehen Sie Chancen und Herausforderungen in der pastoralen Arbeit?

Bischof Dr. Klaus Krämer: Die aktuellen Herausforderungen sind groß. Wir haben durch die Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung noch einmal bestätigt bekommen, dass gerade die Sakramentenpastoral besonders wichtig ist, um die Einstellung zu Kirche und Glauben in der Biografie eines Menschen grundzulegen. Auf die Erstkommunionvorbereitung ist daher ein besonderer Akzent zu legen. Dabei ist es uns wichtig, dass es nicht nur ein familiäres Ereignis ist, sondern dass auch eine spirituelle Erfahrung bei den Kindern ermöglicht wird und ein positiver Impuls mit Blick auf die Gemeinde gegeben wird: Kinder sollen sehen können, dass das ein Ort ist, an dem man sich aktiv einbringen kann und der ihnen noch einmal einen Horizont eröffnet, den sie in ihrem sonstigen Alltag so nicht haben.

 

Welche Rolle kommt heutzutage den Paten zu?

Bischof Dr. Klaus Krämer: Für Kinder ist es generell wichtig, dass sie neben den Eltern noch andere erwachsene Ansprechpartner haben, die ihnen in Lebensfragen und wenn möglich auch in Glaubensfragen zur Seite stehen. Ideal ist es natürlich, wenn die Paten auch eine Brücke zum kirchlichen Leben der Gemeinde herstellen können; nicht immer ist dies bei den Eltern der Fall. So können Kinder auch aus dem unmittelbaren Umfeld erfahren, dass Gemeinde etwas Wichtiges und Positives ist.

 

Das Leitwort zur diesjährigen Erstkommunionaktion des Bonifatiuswerkes lautet „Kommt her und esst!“. Es nimmt Bezug nimmt auf die Einladung Jesu an seine Jünger. Wie kann man das Geschehen der Eucharistiefeier glaubhaft vermitteln?

Bischof Dr. Klaus Krämer: Das ist ein ganz zentraler Inhalt in der Vorbereitung auf die Erstkommunion. Die Vorbereitung ist der geeignete Ort, um Kindern nochmals die Wichtigkeit des Betens nahezubringen, sie an Gottesdienste heranzuführen und für die Feier der Eucharistie zu sensibilisieren. Das geschieht vor allem durch kindgerechte Gottesdienste, in denen Kinder Schritt für Schritt an die Liturgie und die Eucharistiefeier herangeführt werden. Meine Erfahrung ist, dass es wichtig ist, Kinder aktiv in die Liturgie einzubeziehen. Da haben wir viele Möglichkeiten wie beispielsweise Kinderchöre. Viele werden im Alter der Erstkommunion für den Ministrantendienst motiviert. Es ist wichtig, dass sie spüren, dass sie in der Kirche aktiv mitwirken können und dass das Spaß macht.

 

„Kommt her und esst!“ – eine Aufforderung, auf die weltweit mehr als 750 Millionen hungernde Menschen warten. Wie kann man Kinder sensibilisieren, sich für Bedürftige und die Ärmsten in der Welt einzusetzen?

Bischof Dr. Klaus Krämer: Sensibilisierung, auch für globale Herausforderungen und weltkirchliche Horizonte, die wir als katholische Kirche haben, ist mir ein besonderes Anliegen. Ich denke, eine gute Möglichkeit ist zum einen, Kinder mit Migrationshintergrund aktiv miteinzubeziehen und die Situation der Kinder in ihren Heimat- und Herkunftsländern zu beleuchten. In der Erstkommunionvorbereitung kann man da ganz natürlich anknüpfen. Auch das Sternsingen ist eine hervorragende Möglichkeit zu zeigen, unter welchen Bedingungen Kinder in anderen Teilen der Welt leben, aber auch was man konkret tun kann, um ihnen zu helfen. Das Sternsingen ist die größte Aktion weltweit von Kindern für Kindern und ich erlebe, wie motiviert Kinder sind, die dort mitmachen und wie gut sie informiert sind über die Situation der Kinder in anderen Teilen der Welt.

 

Die Erstkommunion ist ein besonderes Ereignis für Kinder wie Erwachsene. Was möchten Sie den Erstkommunionkindern und ihren Familien mit auf den Weg geben?

 

Bischof Dr. Klaus Krämer: Ich wünsche ihnen, dass sie diesen Weg ganz bewusst gehen. Es ist eine besondere Zeit, die es auch zu nutzen gilt. Ich wünsche ihnen allen, dass sie ein frohes Fest erleben, sie etwas von der Freude des Glaubens erfahren und einfach spüren, dass sie auf ihrem Weg nicht allein sind, sondern dass Gott sie begleitet.